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16.09.2026

Auf besonderen Wunsch aktualisiert: Interview mit dem Wehrleiter der Verbandsgemeinde Gerolstein Sascha Löbens - 2. Teil - mit Fotos

Sascha Löbens ist mit drei Stellvertretern der Wehrleiter der Verbandsgemeinde Gerolstein. Er organisiert und leitet den Brandschutz in der gesamten Verbandsgemeinde mit den Städten Gerolstein und Hillesheim

sowie weiteren 36 Gemeinden mit insgesamt über 30.000 Einwohnern. Das umfasst eine Fläche von 455 Quadratkilometern.
Sascha Löbens ist verantwortlich für 57 Feuerwehreinheiten mit sage und schreibe fast 1.300 Feuerwehrfrauen und –männern. Dazu stehen in Wehren 110 Einsatzfahrzeuge zur Verfügung.

Nachdem die arbeitsreiche Waldbrandsaison 2026 Gott-sei-Dank vorbei ist, wird Bilanz gezogen:

Hintergrund:
Beim Flächenbrand in Birgel hat sich bestätigt, dass es erforderlich ist, direkt größere Wassermengen zur Verfügung zu haben. Das wurde erreicht, weil organisiert wurde, dass ein entsprechender Tanklastwagen mit angemietet wurde. Auch haben einige Landwirte ihre gefüllten Wasserfässer für Hilfeleistungen bereitgehalten. Nur durch diese Weitsicht der Wehrleitung konnten die Brandausbreitung und große Naturschäden verhindert werden.

3.) Was wird aus ihrer Sicht noch benötigt um in Zukunft auf solche Einsätze vorbereitet zu sein?

Sascha Löbens: Einsätze mit Wald- und Vegetationsbränden stellen die Feuerwehren seit jeher vor besondere Herausforderungen. Daher wissen die Feuerwehren damit umzugehen. Sicherlich hat die zunehmende Trockenheit, aber auch das Verhalten der Bevölkerung mit den gestiegenen Einsatzzahlen zu tun. Unsere Feuerwehren wurden in den letzten Jahren stetig in der Bekämpfung von Vegetationsbränden geschult und die Ausrüstung wurde angepasst. Man geht wieder auf Techniken zurück, die die Feuerwehren vor Jahrzehnten benutzt haben, welche aber durch die Veränderung der Brandereignisse zum Teil in Vergessenheit geraten sind. Heute setzen wir wieder vermehrt kleinere Schlauchdurchmesser und handlichere Strahlrohre ein. Fast alle unsere Löschfahrzeuge wurden zusätzlich mit Waldbrandlöschrucksäcken, Waldbrandpatschen und speziellen Saugkörben für die Wasserentnahme bei geringen Wassertiefen ausgestattet. Zudem haben wir einen Waldbrandzug, der nochmals Waldbrandausrüstung zuführt. Als Beispiel nenne ich einen schnell aufbaubaren Löschwasserfaltbehälter mit 24.000 Liter Inhalt, aus dem auch die Löschwasseraufnahme mittels eines Hubschrauber möglich ist.
Was uns aber bei jedem Einsatz fehlt – und das nicht nur bei den angesprochenen Vegetationsbränden – ist Löschwasser. Das Standardlöschfahrzeug der freiwilligen Feuerwehren führt zwischen 500 und 1.000 Liter Löschwasser mit. Gerade genug, um die ersten Minuten zu überbrücken. Dann wird aber eine weitere Löschwasserversorgung benötigt. In den Ortschaften ist das Hydrantennetz gut ausgebaut und liefert mindestens 800 Liter die Minute. Leider aber nicht für alle Brände ausreichend. Weiteres Löschwasser muss mit Tanklöschfahrzeugen oder durch den Aufbau einer Schlauchstrecke bis zum nächsten Gewässer zur Einsatzstelle befördert werden.
Die Verbandsgemeinde Gerolstein verfügt jedoch nur über zwei Tanklöschfahrzeuge, welche gezielt für den Löschwassertransport eingesetzt werden können. Dabei hat ein Fahrzeug 4.000 Liter Löschwasser an Bord, das andere Tankfahrzeug nur 3.000 Liter. Nicht viel mehr wie manch einer in Regenwassertanks in seinem Garten stehen hat. Wichtig ist uns daher die Anschaffung eines größeren Tankwagens, um schnell Löschwasser an den Brandort zu bringen. Dieses Fahrzeug soll mindestens 15.000 Liter Wasser mitführen. Dadurch, dass es ständig mit Löschwasser befüllt ist und durch die Feuerwehr mit Blaulicht zur Einsatzstelle gebracht wird, sichert es die Brandbekämpfung, bis eine Wasserversorgung über eine lange Wegstrecke steht oder uns bei Vegetationsbränden Landwirte unterstützen können.

Hintergrund:
Nach der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal und einer Brandsaison wie dieses Jahr ist es unabdingbar, dass man entsprechende Alarm- und Einsatzpläne den Besonderheiten anpasst. Man kann ja alles gebrauchen außer einer Flut- bzw. Waldbranddemenz. Es darf nicht passieren, dass man jetzt darüber redet was alles hätte passieren können und geht dann zur Tagesordnung über.

Frage 4.) Sind Ihnen schon entsprechende Planungsvorhaben bekannt bzw. was benötigen Sie als Einsatzleiter noch an Material und Unterstützung?

Sascha Löbens: Aktuell haben wir die Alarm- und Einsatzpläne für die Wald- und Vegetationsbrandbekämpfung und für Starkregenlagen intensiv überarbeitet. Ein großer Aufwand ist es hierbei, die Anlagen - sprich Ausrüstungsverzeichnisse und Telefonlisten der Ansprechpartner – auf einem aktuellen Stand zu halten. Zum Beispiel haben wir eine Liste von Landwirten mit Wasserfässern. Hier sind die Größen der Fässer, das Zugfahrzeug und eventuelles Zubehör sowie die jeweiligen Kontaktdaten aufgelistet. Aktuell haben wir über 60 Landwirte aufgeführt.
Über weitere Unterstützung würden wir uns freuen. Wenn Sie als Landwirtin oder Landwirt in diesem Jahr noch nicht von der Verbandsgemeinde angesprochen wurden und uns mit Ihren Gerätschaften wie Wasserfässern - bitte erst ab 5.000 Litern Größe - oder zum Beispiel Grubbern unterstützen möchten, sprechen Sie bitte ihren örtlichen Wehrführer an oder registrieren Sie sich online über das Portal RED FARMER. Dieses Portal ist eine Initiative des Landesfeuerwehrverbandes, wo sich jeder Landwirt mit seinen Daten vertraulich registrieren kann. Nur Feuerwehren im Umkreis können diese Daten abrufen. Wir nutzen diese Plattform in unseren Feuerwehreinsatzzentralen als Ergänzung zu unserer eigenen Vorplanung.

Kommentar:
Jetzt liegt es an der Politik die freiwilligen Feuerwehren zu unterstützen, damit sie auch weiterhin den Aufgaben gewachsen sind. Die Verbandsgemeinderäte, Kreistagsmitglieder, die Mitglieder der Landes- und Bundesregierung sind jeder einzelne dazu aufgerufen, alles daran zu setzen, dass unsere Feuerwehren entsprechend ausgerüstet und aufgestellt werden. Am Geld dürfte es nicht liegen, denn das ist für alles andere in ausreichendem Maße ja vorhanden.


Wehrleiter Sascha Löbens organisiert und leitet den Einsatz



1. Frage: Wie viele Einsätze hatten die Feuerwehren der Verbandsgemeinde Gerolstein in der diesjährigen Waldbrandsaison?

Sascha Löbens: Die Feuerwehren der Verbandsgemeinde Gerolstein haben alleine in den Sommermonaten Juli und August 38 Einsätze abgearbeitet, welche in direktem Zusammenhang mit der Trockenperiode standen. Das häufigste Einsatzstichwort war hierbei „Rauchentwicklung im Freien“. Von größeren Wald- und Vegetationsbränden wurden wir glücklicherweise verschont, dennoch gab es auch bei uns sieben Flächenbrände. Diese betrafen meistens kleinere Flächen, teilweise sind aber auch 500 bis 600 m² Fläche verbrannt.
Die Waldbrände im Hürtgenwald (Kreis Düren) und im Hohen Venn (Belgien) haben uns am Samstag, den 15. August, mit einer Vielzahl an Notrufen gefordert. In Teilbereichen der Verbandsgemeinde war eine starke Rauchentwicklung und Brandgeruch wahrzunehmen, welche wetterbedingt zu uns gezogen ist. Wir haben mehrere Stunden ein Lagezentrum in Gerolstein eingerichtet, um die Notrufe abzuarbeiten und haben Erkundungstrupps der Feuerwehren losgeschickt.

2. Frage: Können Sie schon abschätzen, wie viele Einsatzstunden durch die Feuerwehren geleistet wurden?

Sascha Löbens: Bei den genannten Einsätzen wurden mehr als 700 Einsatzstunden von den ehrenamtlichen Feuerwehrangehörigen geleistet. Hinzu kommen noch die ebenfalls zahlreichen Stunden der Helfer von den Hilfsorganisationen und auch der Landwirte, welche uns bei vielen Einsätzen unterstützt haben. Zudem haben Feuerwehrkräfte aus unserer Verbandsgemeinde teils mehrere Tage bei den Waldbränden in Treisen und Mayen unterstützt. Diese Stunden sind noch nicht mit eingerechnet.

Das Interview führte Klaus Finken.

Die Nachrichtenagentur INPUT-Medien bedankt sich für die gute Zusammenarbeit mit der Feuerwehr der Verbandsgemeinde Gerolstein.