06.07.2026
Aktualisiert: Neuausrichtung und Zukunft der Abtei Himmerod
Großlittgen (red/boß) Nach Jahrhunderten als klösterlich-geistlicher Ort stellt sich die Frage, wie die Liegenschaften der im Oktober 2017 aufgelösten Zisterzienserabtei Unsere Liebe Frau Himmerod in Zukunft genutzt
und dauerhaft finanziell getragen werden können. Diese Aufgabe konnte – trotz mehrerer Versuche – bisher nicht gestemmt werden. Im Oktober 2022 haben sich zwei langjährige Himmerod-Gäste (ein Wohnimmobilien-Projektentwickler mit Genossenschaftserfahrungen und ein Kommunikations- Experte) bei einem Treffen in Himmerod gefragt, was sie mit dem eigenen beruflichen Hintergrund dazu beitragen könnten, um die anspruchsvolle Aufgabe zu lösen. Dabei ging es nicht nur um Gebäude, Nutzungskonzepte und Veranstaltungen. Es ging und geht wesentlich auch um die Frage, was Himmerod für Menschen bedeutet und was aus dem Ort entstehen kann, ohne dessen einzigartigen Charakter aufzugeben (input aktuell berichtete). Der erarbeitete Lösungsansatz wurde dem Trägerverein Kloster Himmerod o.cist. e.V. vorgestellt mit der gleichzeitigen Bitte, eine Machbarkeitsstudie durchzuführen, um zu sehen, ob der erarbeitete Lösungsansatz und die Wünsche der Himmerodfreunde zueinander passen. Diese Studie wurde im April dieses Jahres durchgeführt und 322 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Befragung haben sich dazu geäußert. 38% von ihnen sind zwischen 20 und 59 Jahren alt; 62% gehören zur Altersgruppe 60 bis älter als 80. Viele von diesen haben in Himmerod wertvolle Lebenszeit verbracht – für Rückzug, Begegnung, Gemeinschaft, Glaube, Orientierung oder als Gegenpol zum Alltag. Solche Erfahrungen spiegeln den eigentlichen Wert dieses Ortes, der erhalten und verantwortungsvoll in die Zukunft geführt werden soll. Die Wünsche, die auf die Frage nach der zukünftigen Nutzung des Ortes geäußert wurden, ergeben ein aussagekräftiges Bild.
Die Auswertung aller abgegebenen Meinungen und Voten lassen sich zu folgenden Leitsätzen und Thesen verdichten: 1. Himmerod soll als geistlicher Kraftort erhalten bleiben, wobei Ruhe, Spiritualität, Wohnen in Gemeinschaft und Natur einen unverwechselbaren Kern darstellen. 2. Versorgung, Gemeinschaft und Teilhabe sollen gestärkt werden, auch als Antwort auf den demographischen Wandel in unserer Gesellschaft. Eine Lebenshilfe-Gemeinschaft kann der Vereinsamung vorbeugen. 3. Die Nutzungsmischung der Gebäude schafft Stabilität. Nur im ausgewogenen Zusammenspiel von Wohnen auf Zeit, dauerhaftem Wohnen, kulturellen und spirituellen Angeboten, unterstützt durch eine entsprechende Infrastruktur, ist eine nachhaltige Finanzierung darstellbar. 4. Eine Genossenschaft als tragender Rahmen findet großen Zuspruch. Diese kann Beteiligung, Verantwortung und wirtschaftliche Unterhaltung organisiert verbinden. 5. In dieser Perspektive könnte Himmerod eine Vorreiter-Rolle einnehmen: Es könnte ein Modellort für die Zukunftsausrichtung kirchlicher Liegenschaften werden – bewahrend und gleichzeitig erneuernd. Himmerod soll kirchliches Erbe bewahren und zu einem lebendigen Zukunftsort werden.
Als besonders ermutigend darf vermerkt werden, dass 86 Teilnehmerinnen bzw. Teilnehmer der Befragung daran interessiert sind, Nutzungsanteile zum dauerhaften Wohnen oder zur teilweisen Vermietung zu erwerben. Davon streben 14 Befragte ein Wohnen in Gemeinschaft an. Rund 60% der Antwortenden erklären ihre Bereitschaft, sich finanziell in die Zukunftsausrichtung Himmerods einzubringen. Die Befragung war eine Initiative des Trägervereins Kloster Himmerod o.cist. e.V, der die Firma wahr-Zeichen Netzwerk, Köln, mit der Realisierung beauftragt hat. Seit über 20 Jahren beschäftigt sich Frank Kirsch mit Gesellschaft, Lebenswelten und den sozialen Voraussetzungen tragfähiger Wohnquartiere. Gerade bei der Transformation bestehender Gebäude und Areale zu Zukunftsorten liegt ein wesentlicher Schwerpunkt seiner Expertise. Als essentielle Komponenten der Machbarkeitstudie sind die inhaltliche Einordnung der Ergebnisse, die Ableitung von Thesen und Entwicklungsrichtungen zu nennen sowie die Frage, wie Menschen bei einer solchen Neuausrichtung mitgenommen und beteiligt werden können. Der Trägerverein sieht sich durch Machbarkeitsstudie und Quartierspotenzialanalyse darin ermutigt, die Gründung einer Genossenschaft mit dem Namen „Abtei Himmerod e.G.“ zu realisieren und die I.D.G. Dachgenossenschaft eG mit Projektentwicklung, Organisation der Mitgliedergewinnung und der Projektumsetzung zu beauftragen. Zum Erhalt von Abteikirche, Gnaden- und Pfortenkapelle sowie des Museums „Alte Mühle“ wird die Einrichtung einer Stiftung ins Auge gefasst. Und wie geht es weiter? Informieren Sie sich auf der website www.zukunft-himmerod.de oder weiterhin durch den kostenlosen digitalen Newsletter Himmerod 3.0.
Quelle Reinhold Bohlen, Rektor der Abteikirche
INPUT: Spannende Frage in dem Zusammenhang: Was wird aus dem Kloster St. Vinzenz in Niederprüm?
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