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02.06.2026

Pfarrkirche St. Petrus in Utscheid entweiht

Utscheid (red/boß) „The show must go on”: Dass Organist Thomas Husch am Ende des letzten Gottesdienstes in der Pfarrkirche Sankt Petrus in Utscheid (Eifelkreis) den berühmten Song der Rockband Queen gespielt hat,

fasste gut die Gefühlsmischung vieler Gläubiger zusammen.  Sie waren gekommen, um mit Weihbischof Jörg Michael Peters und Pfarrer Sebastian Peifer zum letzten Mal die heilige Messe in Sankt Petrus zu feiern. Nostalgie und Trauer über ein Kapitel jahrhundertealter Glaubensgeschichte in Utscheid, die am Schluss des Gottesdienstes mit dem Verlesen des Profanierungs-Dekrets zu Ende ging, mischten sich mit der Hoffnung und Zuversicht, dass es in anderer Form weitergeht.

Bei einer Profanierung wird eine Kirche entweiht und kann danach nicht-sakralen Zwecken dienen. Kirchengebäude sind Eigentum der jeweiligen Kirchengemeinde, die in Gremien wie Pfarrgemeinde- und Verwaltungsrat entscheidet, ob eine Kirche aufgegeben werden soll. Priesterrat und Bischof stimmen der Entscheidung in der Regel zu. So war es auch in Utscheid: Die sinkende Zahl gläubiger Menschen stand den hohen Kosten der Instandhaltung eines großen Kirchengebäudes gegenüber. Das führte zur Entscheidung, Sankt Petrus zusammen mit dem ehemaligen Pfarrhaus zu verkaufen.

Weihbischof Peters sagte, er selbst habe erst wenige Profanierungen in seinen zwanzig Jahren als Weihbischof miterlebt und es sei jedes Mal ein schwerer Schritt. In Utscheid, das als Pfarrei urkundlich erstmals 1330 erwähnt wurde, werde seit 700 Jahren Glaubenstradition gelebt und es bleibe der Dank für die Fürsprache Gottes in vielen wichtigen Lebenssituationen. Gläubige verbänden die Kirche mit bewegenden Erinnerungen, ob an Taufen, Erstkommunionen, Eheschließungen oder Sterbeämter.  In einem Aufsatz habe er kürzlich gelesen, dass Kirchenräume Menschen nach Gott suchen ließen, so der Weihbischof. Zwar sei das richtig, und es müsse immer exklusiv für Glaubenszwecke, für Ruhe und Anbetung vorgehaltene Räume geben. „Aber der Ort, wo Gott zu Hause ist, ist nicht ein ummauerter Raum aus Steinen, sondern unser Geist.“ Auf das Tagesevangelium eingehend verdeutlichte er, Gott habe Jesus versichert, dass er immer bei den Menschen bleibe, dass eine Sehnsucht in ihre Herzen eingepflanzt sei, die sie nach Heimat bei ihm suchen lasse.
In der nahegelegenen Friedhofshalle soll ein Gebetsraum eingerichtet werden.

Dass es weitergeht, betonte auch Pfarrgemeinderatsvorsitzende Martina Ludwig, die aus der Nachbargemeinde Sinspelt stammt. Ihre Ansprache zum Ende des Gottesdienstes hielt sie auf Eifeler Platt – was umso mehr die regionale und dörfliche Verbundenheit verdeutlichte. Auch wenn liebgewonnene Erinnerungen und etwas Vertrautes nun zurückblieben, so veränderten sich manche Dinge auch künftig nicht. Die Utscheider seien umso willkommener in den Kirchen der Nachbargemeinden, wo sie ihre Kinder taufen lassen, Erstkommunion feiern oder Sterbeämter halten könnten. „Die Kirche lebt von den Menschen, die füreinander da sind und mit Jesus unterwegs sind. Wir vom Pfarrgemeinderat und vom Pastoralen Team sind immer für euch da und die Dörfer werden euch unterstützen“, motivierte sie die Gemeindemitglieder. Am Ende sprach auch Pfarrer Sebastian Peifer seinen Dank aus – vor allem an Küsterin Adele Lux, die seit 25 Jahren in der Utscheider Pfarrkirche Dienst geleistet hat. Er werde sie „nicht entlassen und habe schon neue Aufgaben für sie“, sagte er mit einem Augenzwinkern. Sie und viele andere Frauen und Männer aus der Gemeinde hätten der Kirche ein Gesicht gegeben, genau wie Organist Jürgen Stellmes, der in Utscheid regelmäßig die Orgel spielte. Dem Weihbischof danke er, dass er „uns an diesem schweren Tag beigestanden und Mut gemacht hat“. Auch die beiden Mitzelebranten, Kooperator Savio Antony und Kooperator Pater Horst Brandt schloss er in seinen Dank ein.

In Utscheid wird es mit dem Kirchengebäude tatsächlich weitergehen: Die beiden örtlichen Investoren Daniel Thielen und Günter Thiel möchten die profanierte Kirche sowie das ehemalige Pfarrhaus zu Wohnungen umbauen, wobei die Gebäudehüllen weitestgehend unberührt bleiben. Auch der Kirchturm als Dorfmitte-prägendes Element wird wegen des Denkmalschutzes bestehen bleiben. Als er erfahren habe, dass neben dem ehemaligen Pfarrhaus auch die Kirche irgendwann zum Verkauf stünde, habe er die Idee zu dem Projekt gehabt, sagt Günter Thiel. Obwohl er und Geschäftspartner Thielen eigentlich eine Firma für Heizung-, Sanitär und Klimatechnik betreiben, sei es ihm ein Herzensanliegen, etwas vor Ort für die Gemeinde zu tun. Mit einer geplanten Summe von über 2 Millionen Euro sei es ein Großprojekt für die beiden. Damit die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher nach der Profanierung nicht einfach so „entlassen“ wurden, luden die Geschäftspartner noch zu einem Imbiss ins Pfarrhaus ein, bei dem Weihbischof Peters sich mit den Gemeindemitgliedern austauschte.   

Simone Batreri  - BIP