08.08.2025
Der älteste Flugsaurier Deutschlands kommt aus der Südeifel
Ernzen (red/boß) Spektakulärer Fund im Bürgerwissenschaftsprojekt des Dinosaurierparks Teufelsschlucht: Sie sind nur wenige Millimeter groß und doch von enormer wissenschaftlicher Bedeutung: winzige Zähne, Schuppen
und Knochenfragmente von ausgestorbenen Wirbeltieren aus der Trias der Südeifel. Gefunden wurden sie von Besucherinnen und Besuchern des Dinosaurierparks Teufelsschlucht im Rahmen des Bürgerwissenschaftsprojekts „Triassic Lab: auf Dinosaurierjagd im Bonebed“. Mit der jetzt veröffentlichten wissenschaftlichen Beschreibung der Funde steht nun fest: drei der winzigen Zähne stammen von einem Flugsaurier und stellen mit ihrem Alter von rund 210 Millionen Jahren den bisher ältesten Nachweis dieser urtümlichen Tiergruppe in Deutschland dar und den ersten Nachweis in Rheinland-Pfalz. Seit Oktober 2024 bietet das Projekt „Triassic Lab: auf Dinosaurierjagd im Bonebed“ auch Nicht-Wissenschaftlern die einzigartige Chance, in Schlämmproben nach versteinerten Resten von bisher unbekannten Fischen, Haien und Sauriern zu suchen und somit an der paläontologischen Forschung des Dinosaurierparks teilzunehmen. Das Probenmaterial stammt aus einer Gesteinsschicht der Oberen Trias, die vor rund 210 Millionen Jahren im Gebiet der heutigen Südeifel abgelagert wurde und an dieser Fundstelle besonders reich an winzigen Wirbeltierfossilien ist. Um diese zu bergen, wurden mehrere 100 Kilogramm des fossilführenden Gesteins geschlämmt, also mittels Sieben gewaschen. Am Auslesen der Schlämmreste mit Stereolupe und Pinsel haben sich seit Beginn des Projekts bereits zahlreiche Gäste des Parks beteiligt: Bisher wurden ca. 1,3 kg Schlämmrückstände, das heißt etwas mehr als 800 Proben, untersucht, in denen sich über 1.300 Mikrofossilien fanden. „Allein die rege Teilnahme an diesem Citizen Science-Projekt werten wir als großen Erfolg und als Bestätigung, dass der Dinosaurierpark der ideale Ort für niederschwellige Wissenschaftskommunikation ist“, erklärt Bruno Zwank, Geschäftsführer der Felsenland Südeifel Tourismus GmbH und Leiter des Dinosaurierparks.
Dass aber bereits nach wenigen Monaten wissenschaftlich bedeutende Funde zum Vorschein kommen, hat alle überrascht. „Als ich in den ausgelesenen Proben einen mehrspitzigen Zahn sah, war mir sofort klar: das ist etwas Besonderes“, erklärt Dr. Lea Numberger-Thuy, Paläontologin des Dinosaurierparks und wissenschaftliche Leiterin des Projekts. Nachdem später noch zwei weitere ähnliche Zähne hinzukamen, war der Anlass für eine wissenschaftliche Bearbeitung gegeben. „Wir konnten nachweisen, dass die Zähne aufgrund ihrer Form und ihres auffälligen Streifenmusters zu Eudimorphodon gehören, einem urtümlichen Flugsaurier, der bis dato nur aus der Oberen Trias Italiens bekannt war“, so Numberger-Thuy. Eudimorphodon war in etwa so groß wie eine heutige größere Möwe und hatte ein Gebiss aus unterschiedlich geformten Zahntypen, perfekt geeignet für den Fischfang. “Schuppen, Zähne und Knochen von verschiedenen Fischarten wurden im Rahmen des Projekts in großer Zahl gefunden“, erklärt die Wissenschaftlerin. Dass nun ein fischfressender Flugsaurier nachgewiesen werden konnte, passt gut ins Bild des damaligen Ökosystems.
Um ebendieses urzeitliche Ökosystem so genau wie möglich zu rekonstruieren, läuft das Projekt „Triassic Lab: auf Dinosaurierjagd im Bonebed“ weiter auf Volltouren, denn die Schlämmproben haben noch lange nicht all ihre Geheimnisse preisgegeben. Die überraschende Entdeckung des bisher ältesten Flugsauriers Deutschlands hat gezeigt, dass das Bürgerwissenschaftsprojekt durchaus spektakuläre Funde hervorzubringen vermag. Und da ist sogar noch Luft nach oben, meint Bruno Zwank: „Schlussendlich suchen wir weiterhin den ersten echten Dinosaurier aus Rheinland-Pfalz!“
Die Flugsaurierfossilien sind ab sofort im PaleoLAB des Dinosaurierparks ausgestellt. Wer sich an der Suche nach weiteren Tieren aus der Trias beteiligen möchte, kann während der Ferienzeit am Projekt „Triassic Lab“ teilnehmen. Die wissenschaftliche Publikation zu den bisherigen Funden inklusive des Flugsauriers, in Zusammenarbeit mit der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) Rheinland-Pfalz und dem Nationalmuseum für Naturgeschichte in Luxemburg, ist hier zugänglich: https://www.schweizerbart.de/papers/njgpa/list/prepub
Presse Felsenland Südeifel Tourismus GmbH
Zähne des Flugsauriers Eudimorphodon von einem Fundort in der Südeifel
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