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19.07.2026

Archivbericht von 2016: Fast vergessen - Die Explosionskatastophe von Prüm im Jahr 1949 forderte 12 Tote - mit Video

Prüm (boß) Der »Schwarze Freitag« von Prüm wird unvergessen bleiben. Vor 77 Jahren, am 15. Juli 1949 gegen 20.20 Uhr, explodierten im Stollensystem auf dem 569 m hohen Kalvarienberg 500 Tonnen Sprengmunition

und verwandelten innerhalb von Sekunden die nach der Kriegszerstörung im Aufbau befindliche Stadt in ein Trümmerfeld.
Traurige Bilanz: 12 Tote, 60 Verletzte, 237 zerstörte bzw. beschädigte Häuser und rund 1000 Obdachlose. Das tragische Ereignis brachte das Eifelstädtchen europaweit in die Schlagzeilen. Nicht auszudenken jedoch, was passiert wäre, wenn die Gendarmerie nicht vorausschauend beim ersten Anzeichen eines Stollenbrandes ca. eine Stunde vor der großen Explosion die Bevölkerung gewarnt und die Stadt rechtzeitig evakuiert hätte. Allerdings kamen nicht alle der Aufforderung zur Räumung nach.
In die Luft geschleudert wurden 250 000 cbm Schuttmassen und verdunkelten die Stadt für 20 Minuten. Feinster Staub ging noch in der 20 Kilometer entfernten Stadt Gerolstein nieder. Die Detonation wurde sogar in Trier und Koblenz gehört, und die Erdbebenwarte in Stuttgart registrierte die Erschütterungen.
Die Katastrophe von Prüm hatte eine große Hilfswelle in der gesamten Region und im benachbarten Belgien und Luxemburg ausgelöst. Insgesamt 3,7 Mio. Mark wurden an die Geschädigten ausgezahlt, die teilweise Hab und Gut verloren hatten und vor dem Nichts standen. Die Toten wurden durch ein Staatsbegräbnis mit dem Trierer Erzbischof Dr. Franz Rudolf Bornewasser und dem damaligen Ministerpräsidenten Peter Altmeier geehrt.
Ob der Vorfall in dem französischen Munitionsbunker ein Unglücksfall oder Sabotage war, ist bis zum heutigen Tage nicht geklärt. Seinerzeit wurde der damalige Verteidigungsminister Rudolf Scharping bei einem Besuch in Prüm gebeten, dem ungelösten Fall in Frankreich nachzugehen. Auch diese Recherchen auf höchster Ebene verliefen ohne greifbares Ergebnis.
Schon lange vor der Katastrophe hatten die Einwohner und Behörden von Prüm bei der französischen Besatzungsmacht reklamiert, dass die Lagerung von über 500 Tonnen Sprengstoff eine große Gefahr für die Bevölkerung bedeute.
Die beiden 110 und 80 Meter langen und 4,30 Meter breiten, zusammenhängenden Stollen waren 1939 für den Westwall gebaut worden. Nach Kriegsende wurde hier Sprengstoff eingelagert, um die Westwall-Bunker im Grenzland zu zerstören.
Kürzlich wurde der fast 200 Meter lange, 100 Meter breite und 25 Meter tiefe Explosionskrater auf dem Kalvarienberg durch eine private Initiative weitgehend von Sträuchern und Bewuchs freigelegt. Darüber erhebt sich ein großes steinernes Mahnkreuz mit der Aufschrift »Diene der Versöhnung und dem Frieden - zur Erinnerung an die Explosionskatastrophe am 15. Juli 1949«. Unterhalb im Park befindet sich ein 1983 errichteter Nachbau der zerstörten Kalvarienbergkapelle und ein moderner Kreuzweg.

Heinz-Günter Boßmann

Video SWR/Erich Reichertz: 
Explosionskatastrophe 1949.wmv  

Aus dem Bundesarchiv:
https://www.filmothek.bundesarchiv.de/video/583649?q=pr%C3%BCm

Archiv Kaspar Thürwächter/Nosbers:
Bericht aus der Wochenillustrierten Stern vom 31. Juli 1949: In der Hölle von Prüm



  

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