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20.12.2017

7,5% Lohnverzicht beim Personal des St.-Joseph-Krankenhauses Prüm - mit Stellungnahme des Trägers

Prüm/Düren (boß/kf) Seit Monaten rumort es hinter den Kulissen des St. Joseph-Krankenhauses in Prüm und es herrscht Unsicherheit beim Personal und in der Bevölkerung, wie es weitergehen soll.

Im Sommer ist mit Theo Korth ein neuer Geschäftsführer eingesetzt worden, der wohl auf große Erfahrungen bezüglich Sanierungsprozessen zurückgreifen kann.
Um Schlimmeres zu verhindern, gibt es für alle Mitarbeiter des Hauses eine lineare Lohnsenkung von 7,5 % ab 1. Januar 2018. Diese wurde zunächst einmal auf ein Jahr befristet.
Das bestätigte heute der Geschäftsführer der Caritas Trägergesellschaft West aus Düren, Dipl-Kaufmann Bernd Koch, auf Anfrage unserer Zeitung.
Die gesamte Vereinbarung, die noch viele weitere Aspekte enthält, wurde in einer sogenannten Unterkommission von Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern beraten und beschlossen.
„Die Existenz des Hauses ist damit für zwei Jahre gesichert“, so Koch. „Die ersten Sanierungsmaßnahmen greifen, die Belegung ist im Oktober und November angestiegen und durch die Absenkung gibt es Luft, um auf eine gesunde wirtschaftliche Basis zu kommen,“ fährt Koch fort. „Die meisten Mitarbeiter ziehen mit, müssen aber die Kröte der Lohnsenkung schlucken.“
Ganz wichtig in diesem Zusammenhang: Es wurde festgelegt, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen geben soll und Tariferhöhungen berücksichtigt werden. „Wenn es gut läuft“, so Koch wörtlich, „kann es auch Rückvergütungen geben. Wir streben danach, im 1. Quartal 2018 eine dauerhafte Lösung zu erreichen.“
Wie zu hören war, sollen einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereits gekündigt haben. Auch habe es immer wieder Schwierigkeiten bei der Personalsuche gegeben. Somit wurden Stationen zusammengelegt und die Patienten mit einem verminderten Personalschlüssel betreut.

Stellungnahme des St.-Joseph-Krankenhauses Prüm:
In der jüngsten Vergangenheit wurde von außen über die positive Fortführungsprognose des St. Joseph-Krankenhauses in Prüm spekuliert. Hierzu gab es zeitweise viele unterschiedliche Darstellungen. Dazu nehmen wir wie folgt Stellung:
Allen Beteiligten, sowohl der Bevölkerung, als auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist es wichtig, das Krankenhaus mit seinen ca. 320 Beschäftigten zu erhalten. Das St. Joseph-Krankenhaus ist das Krankenhaus mit der größten Flächenversorgung in Rheinland-Pfalz und daher von besonderer Bedeutung.
Für die Mitarbeiter, für die Mitarbeitervertretung und auch für die Geschäftsleitung des Hauses ist es enorm wichtig, dass die Leistungsqualität und das Engagement der im St. Joseph-Krankenhaus in Prüm tätigen Mitarbeiter trotz der Vielzahl von Sanierungsmaßnahmen auch in der Außenbetrachtung positiv gewürdigt und korrekt dargestellt wird.
Das St. Joseph-Krankenhaus in Prüm ist ein Haus der Grundversorgung in einer ländlichen Region. Nicht nur in Rheinland-Pfalz, sondern auch bundesweit ist die wirtschaftliche Situation für solche Krankenhäuser nicht einfach.
Im Zusammenhang mit zeitweisen Belegungsrückgängen sind im Prümer Krankenhaus wirtschaftliche Probleme entstanden. Diese stellen sich jedoch zwischenzeitlich durch die Unterstützung der Politik und insbesondere des Engagements der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Zukunft positiv dar.
Vor allem in den letzten drei Monaten haben zahlreiche Gespräche stattgefunden mit dem Ministerium in Mainz, mit den niedergelassenen Ärzten in Prüm und Umgebung, mit der Regionaldirektion der Kassenärztlichen Vereinigung in Koblenz sowie auch mit der Mitarbeiterschaft und der Mitarbeitervertretung des St. Joseph-Krankenhauses in Prüm. Insbesondere die Gespräche auf politischer Ebene waren erstmalig von einem weiten Entgegenkommen gekennzeichnet.
Im Ergebnis wurden verschiedenste Maßnahmen ergriffen, um die wirtschaftliche Situation zu stabilisieren und „Zeit und Raum“ zu schaffen, um die ambulante und stationäre Versorgung zu optimieren sowie bestehende und neue strukturelle und organisatorische Verbesserungsmöglichkeiten im Dialog mit der Belegschaft gezielter anzugehen und umzusetzen.
Hierzu gehörte neben einer Anhebung des Budgets durch die Kostenträger im Rahmen des Verhandlungsweges unter anderem auch ein Antrag an die Arbeitsrechtliche Unterkommission, der eine befristete Absenkung der Löhne und Gehälter für einen begrenzten Zeitraum vorsieht. Das heißt, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für einen befristeten Zeitraum auf einen Teil ihres Gehaltes verzichten. Allerdings sind für einen solchen Zeitraum auch betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Gleichzeitig werden tarifliche Erhöhungen – sollten sie sich in dem Zeitraum ergeben – den Mitarbeitern gewährt. Zu einem im Beschluss der Unterkommission definierten Zeitpunkt werden dann wieder die aktuellen Tarifgehälter gezahlt.
Dies ist über Jahre hinweg durch viele katholische Träger, vor allem bei kleineren Krankenhäusern, im Bundesgebiet praktiziert worden, um letztlich die Existenz der Einrichtungen auch sicherzustellten. Im St. Joseph-Krankenhaus Prüm wurde der Antrag gestellt und im Sinne einer Existenzsicherung zum Erhalt aller Arbeitsplätze durch die Unterkommission, die sich aus Dienstnehmer- und Dienstgeberseite zusammensetzt, beschlossen. Der Beschluss zur Absenkung der Gehälter erfolgte einvernehmlich über den Verhandlungsweg und nach Prüfung eines unabhängigen Wirtschaftsprüfers.
Sollte sich aufgrund einer sehr positiven Belegungsentwicklung die wirtschaftliche Situation deutlich besser darstellen als erwartet, könnte auch eine Nachzahlung der Gehälter zustande kommen.

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