zurück 
19.09.2017

Kreisfeuerwehrinspekteur des Landkreises Vulkaneifel und sein Stellvertreter hören auf

Daun/Mirbach (boß) Christoph Bach, Kreisfeuerwehrinspekteur (KFI) des Landkreis Vulkaneifel, scheidet zum 31.03.2018 aus dem Amt des Kreisfeuerwehrinpekteurs aus. Er hat den Landrat um Entpflichtung gebeten.

Die Stelle ist inzwischen durch die Kreisverwaltung ausgeschrieben worden. Christoph Bach aus Mirbach bekleidet seit 17 Jahren das Amt des KFI.
Bereits seit dem 30.10.2000 führte er die Geschicke der Feuerwehren für die fünf Verbandsgemeinden Daun, Gerolstein, Hillesheim, Kelberg und Obere Kyll mit Umsicht, Sachverstand und viel Engagement. Er formte und organisierte das Feuerwehrwesen auf dieser Ebene in einzigartiger und erfolgreicher Weise. Kein anderer KFI hat die Feuerwehren im Landkreis so stark geprägt und vorangebracht wie Christoph Bach.
Nach seinen Worten ist „ein Ehrenamt in dieser Größenordnung neben dem Beruf und der Familie kaum noch leistbar. In den letzten Jahren sind die Anforderungen an die Aufgaben enorm gestiegen und werden in Bezug auf die fachlichen Beratungen der Feuerwehren in der Gefahrenabwehr weiter zunehmen. Nach 18 Jahren sollten die Aufgaben aus einer anderen Sicht beurteilt und von jüngeren Kameraden übernommen werden. Die jungen Feuerwehrleute müssen frühzeitig an die Aufgaben herangeführt werden und lernen, Verantwortung zu übernehmen.“
Und nun seine Feuerwehrlaufbahn: Bach trat im Jahre 1974 in die Freiwillige Feuerwehr Mirbach ein und wurde dort 1982 zum Wehrführer ernannt. In seiner 12-jährigen Leitung wurde das Feuerwehrgerätehaus in Mirbach neu gebaut und ein neues wasserführendes Einsatzfahrzeug angeschafft. Dies war nur durch eine hohe Eigenbeteiligung der Ortswehr möglich.
1993 wurde Bach zum Wehrleiter der VG Hillesheim bestellt.
Der Höhepunkt seiner Feuerwehr-Karriere war die Ernennung zum stellvertretenden KFI im Mai 2000. Bereits fünf Monate später wurde er zum Kreisfeuerwehrinspekteur des Landkreises Daun bestellt, da der damalige Amtsinhaber Helmut Schmitz aus Altergründen ausschied.
Während seinem aktiven Feuerwehrdienst absolvierte Bach eine Unmenge an Lehrgängen an der Katastrophenschutzschule in Koblenz und an der AKNZ in Ahrweiler und knüpfte unzählige Verbindungen zu Landes- und Bundesbehörden, die dem Feuerwehrwesen des Landkreises zu Gute kamen. „Es hat mir stets viel Freude gemacht, mit Menschen zusammenzuarbeiten. Insbesondere machte es mich glücklich, den Menschen zu helfen, die sich in einer Notlage oder Gefahrenlage befanden“, so beschreibt der scheidende KFI seine Beweggründe für die lange ehrenamtliche Tätigkeit.
Der höchste Feuerwehrmann des Kreises ist für die Bereitstellung der Einsatzkräfte mit Maschinen und Fahrzeugen, den reibungslosen Ablauf im Einsatz-bzw. Notfall und für die Sicherheit und Ordnung in der nicht polizeilichen Gefahrenabwehr der Bevölkerung des gesamten Landkreises zuständig. Bach ist verantwortlich für 130 Freiwillige Feuerwehren mit 3000 Feuerwehrleuten, die Schnellen Einsatzgruppen des DRK, das THW und andere Hilfeleistungsorganisationen. Bei Großeinsätzen übernimmt er die Einsatzleitung in Vertretung des Landrats, ist verantwortlich für den vorbeugenden Brandschutz und die Erstellung von Rahmen-, Alarm- und Einsatzplänen. Der Kreisfeuerinspekteur wirkt in erster Linie bei der Erfüllung der dem Landkreis im überörtlichen Brandschutz, in der überörtlichen Allgemeinen Hilfe und im Katastrophenschutz obliegenden Selbstverwaltungsaufgaben mit.
Der Zeitaufwand, den Christoph Bach für das Ehrenamt einsetzte, lässt sich nicht so einfach beziffern. Man könnte hier von einem durchschnittlichen Wochenstundenaufwand - über das Jahr gesehen - von mehr als 15 - 20 Stunden ausgehen. Ein solch hoher persönlicher Einsatz ist nur möglich, wenn die Familie dieses Ehrenamt voll unterstützt und dahintersteht. Auch die Arbeitgeber sind durch die Ehrenämter stark belastet, da sie die Feuerwehrleute für ihre Einsätze und Tätigkeiten freistellen müssen.
Bach ist gelernter Elektriker und Hausmeister an der Grundschule und dem Kindergarten in Üxheim.
„Meine schönsten Erlebnisse waren immer dann, wenn ich in Not geratenen Menschen helfen konnte. Die Dankbarkeit in den Augen, ein Händedruck oder ein einfaches „Danke“ machten mich glücklich“, so Bach. „Betroffen machten mich Einsätze, bei denen Kinder in Mitleidenschaft gezogen wurden oder wenn jede Hilfe zu spät kam“, fuhr er fort. Seiner Familie ist er dankbar, dass sie im half, die Erlebnisse zu verarbeiten. Aber auch die fröhlich lachenden und spielenden Kinder des Kindergartens und der Schule, in denen er tätig ist, halfen ihm über vieles hinweg.
In den langen Jahren hat der Mirbacher den Wandel der Zeit mitbekommen. Die Digitalisierung und der technische Fortschritt macht auch nicht in der Feuerwehr halt und hat ihr viele Vorteile gebracht. „Aber der Bürokratismus, die Vorschriften, die Wege zwischen der Verwaltung und den aktiven Kameraden „an der Front“ waren früher unkomplizierter“, meint Christoph Bach. Obwohl er all die Jahre von der Verwaltung unterstützt wurde, fand sein Wirken Grenzen in den finanziellen Möglichkeiten, was nicht immer zum Verständnis der Kameraden führte.
Seinem Nachfolger wünscht er viel Einfühlungsvermögen, Durchsetzungskraft, Ausdauer und eine menschliche Art gegenüber allen Kameraden. Für die Zukunft hält er eine Zentrale Kreiswerkstatt mit hauptamtlichen Kräften für dringend erforderlich, denn die monatlichen, halbjährlichen und jährlichen Prüfungen sind kaum noch von ehrenamtlichen Gerätewarten zu leisten. „Das Ehrenamt muss langfristig mehr von hauptamtlichen Kräften unterstützt werden“, so Bach. Der scheidende Kreisfeuerwehrinspekteur verabschiedet sich von den Kameraden mit den Worten: “Vielen herzlichen Dank für die schöne Zeit mit Euch! Bleibt gesund und ich wünsche euch allen noch viel Spaß in eurem schönen Ehrenamt. Auch den Jugendfeuerwehren und deren Betreuer, auf die ich immer besonders stolz war, und dem Feuerwehrverband gilt mein Dank. Ich freue mich nach meinem Ausscheiden aus dem aktiven Feuerwehrdienst auf die Zeit mit meiner Familie – insbesondere auf die Zeit als Opa mit meinem Enkelkind Leon.“
Man kann froh darüber sein, dass es Menschen wie Christoph Bach gibt, die ihr Ehrenamt mit so viel Liebe und Aufopferung für die Allgemeinheit ausüben. Sein Wesen und seine menschliche und ehrliche Art und Arbeitsweise haben ihn weit über die Kreisgrenzen hinweg bekannt gemacht.
Auch einer seiner Stellvertreter, Thomas Risch, bat den Landrat Heinz Peter Thiel um seine Entpflichtung zum 31.03.2018.

Und hier sein Interview:


Leserfoto (v.l.) Thomas Risch und Christoph Bach beim Verbandsgemeinde-Feuerwehrtag 2017

1. Sie wollen Ihren Dienst als stellvertretender Kreisfeuerwehrinspekteur zum 31.03.2018 beenden und haben den Landrat um Entpflichtung als Ehrenbeamter gebeten. Was hat Sie dazu bewogen?

Thomas Risch: Ich habe Familie, Beruf und Feuerwehr zeitlich nicht mehr alles unter einen Hut bekommen. Meine Funktion ist sehr zeitintensiv. Mal ganz ehrlich, wenn meine Frau schon zuhause den Rasen mähen muss, weil ich abends zu spät heim komme, dann stimmt doch was nicht.

2. Wie lange sind Sie bei der Freiwilligen Feuerwehr?

T.R.: Seit Juni 1982, also insgesamt 35 Jahre.

3. Werdegang in der Feuerwehr

T.R.: Juni 1982 Eintritt in die Jugendfeuerwehr Daun, FW Daun, ab 1998 auch in der FW Sarmersbach
Lehrgänge: Jugendgruppenleiter, Brandschutz 1, Brandschutz 2, Gruppenführer, Zugführer, Führer von Verbänden, ABC-Einsatz, Führer im ABC-Dienst, Gerätewartausbildung Gefahrgut, verschiedene Meßpraktika , Kreisausbilder CSA und diverse Kreisausbildungen wie TH, PA-Träger, Türöffnung usw.
Positionen: Zuerst Betreuer in der Jugendfeuerwehr 1983-1998, später stell. Jugendwart 1988-2002; Gruppenführer TLF und GW-G2 in der Fw Daun ab 1994; Zugführer in der FW Daun ab 2000; Gefahrstoffzugführer des Landkreises Vulkaneifel von 1999-2016; Stellvertretender Kreisfeuerwehrinspekteur von 2012-2018

4. Was waren die Gründe für diese langjährige Tätigkeit im Ehrenamt?

T.R.: Feuerwehr hat mir sehr viel Spaß gemacht, und hat mich auch immer interessiert. Es ist ein gutes Gefühl, wenn man helfen kann.

5. Wie hoch war Ihr Zeitaufwand für die Arbeit als KFI?

T.R.: In der Doppelfunktion Gefahrstoffzugführer und stellvertretender KFI hatte ich einmal Buch geführt und kam auf 545 Stunden im Jahresverlauf, war aber auch ein strammes Jahr. Stellv. KFI alleine schätze ich einmal ca. 350-400 Stunden im Jahr.

6. Für wieviel Feuerwehren und Feuerwehrkameraden waren Sie zuständig?

T.R.: Der Kreis hat ca. 3000 Feuerwehrangehörige und ich ca. 130 Wehren

7. Wofür waren sie verantwortlich?

T.R.: Koordinierung bzw. Zusammenlegung der Kreisausbildung , Mitbetreuung BKS-Portal im Abschnitt Kreisausbildung. Vertretung unseres KFI Christoph Bach bei Abwesenheit und räumliche Zuordnung für die VGen Daun und Kelberg.

8. Wie stand bzw. steht ihre Familie zu ihrem Ehrenamt?

T.R.: Meine Familie hat mich immer unterstützt, selbst wenn es auch mal viel war.

9. Wie ist bzw. war Ihr Ehrenamt mit dem Arbeitgeber zu vereinbaren?

T.R.: Das „normale“ Ehrenamt ist meiner Meinung nach kein großes Problem, es betrifft „nur“ die Einsätze. Dafür konnte ich immer gehen, wenn ich verfügbar war. Der Posten des stellvertretenden KFI`s  bzw. des KFI`s ist meiner Meinung nach nur sehr schwer mit nichtöffentlichen Arbeitgebern zu vereinbaren. Ich habe vieles vor der Arbeit und nach Feierabend erledigt.  Für Termine während der normalen Arbeitszeit wurde abgestempelt, es stört aber schon den normalen Arbeitslauf, war aber trotzdem fast immer möglich.

10. Was war ihr schönstes Erlebnis?

T.R.: Mit am schönsten fand ich, dass sich ein junger Mann, welchen wir schwerverletzt aus seinem Fahrzeug befreit haben, ein Jahr später bei uns auf der Feuerwache bedankt hat. Er hat wieder ein normales Leben führen können.

11. Was waren ihre schlimmsten Erlebnisse?

T.R.: Tote bei Verkehrsunfällenund Unfälle mit Kindern.

12. Wie haben Sie die Erlebnisse verarbeitet?

T.R.: Gespräche mit Kameraden und dem Partner, später auch mit Notfallseelsorgern.

13. Änderung in der Feuerwehr bzw. im Ehrenamt 

Was ist besser geworden?
T.R.: Mit moderner Technik kann man immer mehr schaffen, es ist mittlerweile schon vieles möglich. Leider kann man durch leere Kassen in den Kommunen nicht immer zeitnah auf neue Techniken umrüsten, was nicht immer auf Zustimmung beim „normalen Feuerwehrmitglied“ trifft.

Was ist schlechter geworden?
T.R.: Die Feuerwehrarbeit ist immer umfangreicher geworden, es gibt immer mehr zu prüfen und zu dokumentieren. Die Bürokratie wird leider auch immer mehr.

14. Wie sollte ihr Nachfolger sein? Welche Eigenschaften sollte er haben?

T.R.: Geduld, Durchsetzungskraft, guter Umgang mit Menschen, Ausdauer und eine gewisse Weitsicht.

15. Was möchten Sie Ihren Feuerwehrkameraden im Kreis noch sagen?

T.R.: Ich bedanke mich bei allen Kameraden für die gute Zusammenarbeit, es hat mir viel Spaß gemacht mit euch zu arbeiten.

Das Interview führte Klaus Finken

Leserbrief zu dieser News schreibenNews weiterempfehlenNews druckenRSS-Feed