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21.10.2020

Erste Dokumentation zum Missbrauchsskandal im Bischöflichen Internat Albertinum Gerolstein veröffentlicht

Gerolstein/Trier (red/boß) Ein Jahr nach Projektstart wurde am 21. Oktober 2020 der Zwischenbericht von Professorin Claudia Bundschuh zum Projekt „Gewalt am Bischöflichen Internat Albertinum Gerolstein (Landkreis Vulkaneifel)

– Aufarbeitung mit und für Betroffene“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Ziel des Projektes ist die Aufarbeitung koörperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt im Internat in der Zeit von 1946 bis zu dessen Auflösung 1983.

Der ausführliche, 25-seitige Zwischenbericht ist unter https://www.albertinum-gerolstein.de/ einzusehen

Pressemitteilung des Bistums Trier:

„Uns ist es in der Durchführung des Projektes sehr wichtig, dass die Betroffenen als Experten ihrer Lebenssituation selbst zu Wort kommen, denn nur dann ist es wirklich ein Projekt mit und für Betroffene“. Das hat Professorin Dr. Claudia Bundschuh am 21. Oktober in Trier betont. An diesem Tag hat sie den von ihr erstellten Zwischenbericht zum Aufarbeitungsprojekt „Gewalt am Bischöflichen Internat Albertinum Gerolstein (Landkreis Vulkaneifel) – Aufarbeitung mit und für Betroffene“ gemeinsam mit Dr. Bettina Janssen veröffentlicht. „Mit der ausschnitthaften Darstellung der bisherigen Berichte möchten wir weitere Ehemalige ermutigen, an der Aufarbeitung teilzunehmen und ihre Erfahrungen offenzulegen“ ergänzt Dr. Bettina Janssen.
Im Zwischenbericht werden die Zielsetzungen des Projektes, der zeitliche Rahmen und die Projektentwicklung seit ihrer Beauftragung im Juli 2019 beschrieben. Einer der ersten Schritte sei die Recherche der Dokumente über das Internat gewesen, sagt Janssen. Dazu habe Bischof Ackermann den Projektleiterinnen eine Sondergenehmigung erteilt, die uneingeschränkten Zugang zu den entsprechenden Akten im Bistumsarchiv gewährt. Herzstück des Projektes sind jedoch die Erfahrungen der Schüler: „Wir haben mittlerweile 25 Interviews mit ehemaligen Schülern führen können“, erläutert Janssen. „Hinzu kommen sieben schriftliche Erfahrungsberichte.“ Aus diesen Interviews werden im Bericht in anonymisierter Form Einblicke in die Gewalterfahrungen gegeben, die die Schüler am Albertinum erleiden mussten. Dazu gehören körperliche, psychische und sexualisierte Gewalt sowohl durch die Fachkräfte, als auch durch die Jungen untereinander. Am Ende des gut zwanzig Seiten umfassenden Zwischenberichts werden die Planungen für das kommende Projektjahr vorgestellt. „Der Fokus des Zwischenberichts liegt auf den konkreten Erlebnissen der damaligen Schüler. Nicht berücksichtigt sind die Rahmenbedingungen der Erziehung und Bildung der Jungen, die Rolle des Trägers Bistum Trier, die Rolle der Familien oder die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Diese Aspekte werden im Abschlussbericht eingehend beleuchtet“, erklärt Bundschuh.
Der Abschlussbericht ist für Ende 2021 geplant.
Die Aufarbeitung der Gewalt am Albertinum in Gerolstein ist das erste unabhängige und einrichtungsbezogene Aufarbeitungsprojekt des Bistums Trier. Das Internat für katholische Schüler in Trägerschaft des Bistums existierte von 1946 bis 1983 und war Unterkunft für Schüler, die das benachbarte staatliche St.-Matthias-Gymnasium besuchten.

Stellungnahmen der ehemaligen Schüler und Betroffenen im Lenkungsausschuss
 
„Der Zwischenbericht reflektiert durch die zahlreichen Interviews der Betroffenen die tatsächlichen Zustände in dem Internat. Ich persönlich habe von zahlreichen Gesprächen mit ehemaligen Leidensgenossen profitiert, indem ich vieles, was in meinem Leben passierte, jetzt besser verstehe und einordnen kann. Ich kann gerne noch einmal zur Mitwirkung aufrufen und wende mich an die Betroffenen, die sich bisher noch nicht an die Projektleitung gewandt haben: Ihr werdet nach dem Gespräch den Profit für Euch selbst erkennen. Darum noch einmal die Bitte: Meldet euch.“ - Werner Schenk

„Ich finde es gut, dass der Lenkungsausschuss ins Leben gerufen wurde; dass man im gleichen Zug Betroffene kennen gelernt hat. Die Arbeit des Lenkungsausschusses ist gut; und ich wünsche mir, dass die breite Öffentlichkeit darüber informiert wird, was in früheren Jahren in manchen Institutionen mit Jugendlichen gemacht wurde. Auch sollte es dazu führen, dass solche Sachen nie mehr passieren, und sich die Mitmenschen bei Beobachtungen dieser Art melden: um Leid an Kindern zu ersparen. Die fachliche Kompetenz des Lenkungsausschusses ist gut, und gibt den Betroffenen das Gefühl, dass sie gehört werden und dass ihnen geglaubt wird. Die Projektleitung zeigt ehrliches Interesse an meinem früheren Weg. Das Bistum soll auch durch den Zwischenbericht dazu angeregt werden, die Opfer möglichst schnell zu entschädigen, da die Zeit immer gegen die Opfer arbeitet. Das sollte nicht die Taktik des Bistums sein.“ – Rainer Reimold

„Zwei einfache Fragen haben mich motiviert: Sollte es, nach so langer Zeit, überhaupt noch ein Aufarbeitungsprojekt geben? Kann und sollte ich meinen Teil zum Gelingen des Projektes beitragen? Meine Antworten waren: Ja. Seitens der Projektleitung und im Lenkungsausschuss empfinde ich die Interessen der Betroffenen immer wieder ernst genommen und in den Brennpunkt gerückt. Die Mitwirkung am Aufarbeitungsprojekt wühlt mich regelmäßig auf, doch ich fühle mich, nach Jahren, auch von einigen Lasten befreit. Dafür bin ich dankbar. Ich wünsche mir, dass sich noch mehr ehemalige Internatsschüler melden und mit ihren Informationen und Erfahrungen das „Internatsmosaik“ bereichern.“ – Karl Heinz  („Happy“) Prinz

Betroffene können sich melden

  • per E-Mail unter info@albertinum-gerolstein.de ,
  • per Telefon unter der Nummer 0162-5363617 (Anrufbeantworter) oder
  • postalisch an Rechtsanwältin und Mediatorin Dr. Bettina Janssen, Mittelstraße 12-14 (Haus B), 50672 Köln.
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