zurück 
15.09.2020

Die schönsten Radtouren der Eifel - diesmal "Vom kleinsten Museum der Welt in Lützkampen-Welchenhausen zum Dreiländereck D-B-L" von Rainer Nahrendorf - mit Fotoserie

Unter den schönen Radtouren durch die Eifel-Ardennen gehört die Tour in das wildromantische obere Ourtal zu den Drei-Sterne-Touren mit Kunstgenuss. Es gibt zwei fahrbare Varianten und eine,  vor der

der Autor nur nachdrücklich warnen kann. Darüber können Sie in dem  Exkurs am Schluss dieses Berichtes mehr erfahren.
Die leichte Variante:
Bitte tragen Sie in das Navigationsgerät ihres PKW als Zielpunkt „Welchenhausen“ im Landkreis Bitburg-Prüm ein. Sie können über die A 60 und dann über die L 1 oder über die B 410, dann L 9, L 15 und die L 1 fahren.
Dies ist mit den Besichtigungen der wArtehalle und des Skulpturenweges an der KultOurstraße eine leichte Halbtagestour von hin- und zurück 10  km. Mit älteren verkehrserfahrenen Kindern können Sie diese Tour fahren, wenn sie Warnwesten tragen und ein Erwachsener mit seiner Warnweste überholende PKW- oder Motorradfahrer daran erinnert, nicht zu schnell und nicht zu dicht an ihnen vorbeizufahren. Diese Radtour führt über die verkehrsarme Ourtalstraße. Das Ourtal ist hier so schön, dass auch Motorradfahrer langsam fahren. Die Route führt von Welchenhausen über Oberhausen, Peterskirchen, Ouren (Belgien) zum Dreiländereck mit dem Europadenkmal.

Die sportliche Variante
Bitte tragen Sie in ihr Navigationsgerät den kleinen Ort Harspelt im Landkreis Bitburg-Prüm ein. Sie fahren durch Harspelt in Richtung Lützkampen und biegen, wenn Sie das Windrad auf einem Stahlgerüst sehen, links in eine schmale geteerte Straße ab. Sie führt nach Ouren in Belgien. Sie stellen hier ihren PKW ab. Auf der kleinen Teerstraße rollen sie nun fast 2 km nach Ouren hinab und radeln auf der Ourtalstraße über Peterskirchen und Oberhausen nach Welchenhausen. Dort können Sie die wArtehalle und die Kunstwerke am Skulpturenweg bewundern. Nach der wArtehalle müssen Sie dazu in Richtung Stoubach (Belgien), deutsch Stupbach, fahren. Sie können auf der Straße bleiben, bis Sie Stoubach erreicht haben, aber auch schon vorher umkehren, denn Sie sollten noch den in Ouren ausgeschilderten Weg bis zum Europadenkmal am Dreiländereck fahren. Es ist von Ouren nur einen guten Kilometer entfernt.
Nach der Besichtigung liegt der kräftezehrende Rückweg vor ihnen. Was für Pedelec-Fahrer leicht zu bewältigen ist, wird zur Herausforderung für Tourenradfahrer. War der Hinweg eine leichte Halbtagestour, wird der Rückweg zum Windrad bei Harspelt eine mittelschwere Tour. Obwohl es hin-und zurück nur eine reine Fahrstrecke von 15,5 km ist, kann die sportliche Variante zur Ganztagestour werden, wenn Sie lange bis Stoubach auf dem Skulpturenweg mit seinen wirklich sehenswerten originellen Kunstwerken bleiben, Trink-und Esspausen einlegen. Länger als 18 km ist aber auch diese Variante nicht.

Ist die wArtehalle in Welchenhausen wirklich das kleinste Kunstmuseum der Welt? Dann müsste es eigentlich im Guinnessworldrecord zu finden sein. Im Guinnessbuch der Rekorde finden Sie zwar die kleinsten Menschen der Welt, aber nicht die wArtehalle. Entsprechend vorsichtig war denn auch der leider verstorbene Vorsitzende des Museumsvereins «(W)Arte-Halle Welchenhausen», Christof Thees. Er hatte nur die Vermutung geäußert, das acht Quadratmeter große Mini-Museum in dem Buswartehäuschen von Welchenhausen sei das wohl das kleinste Kunstmuseum der Welt. 
Heute ist die wArthalle nicht mehr das kleinste Kunstmuseum der Welt. Dies ist das von Marcel Duchamps im Kunstmuseum von Wolfsburg. Der Steinkasten ist nur 46,9 x 61,5 x 64,2 Zentimeter groß.
Unter einer  Kunsthalle  stellt man sich etwas anderes vor. In Deutschland gibt es Kunsthallen in mehreren Städten. Es sind alles große Hallen. In Hamburg steht eine der größten, aber so originell wie die wArtehalle von Welchenhausen sind sie alle nicht.
Machen Sie sich selbst ein Bild von der Entstehungsgeschichte der wArtehalle sowie den Skulpturen und klicken die Links zu den Informationen und Videos an. Der „wilde Westen der Eifel“ erscheint  dann in einem neuen Licht. Aus der Naturidylle wird eine Kulturidylle.

Langer Exkurs: Trial and Error
Meine Frau und ich zählen nicht mehr zu den jungen Alten, sondern mit 77 und 83 Jahren zu den alten Alten. Die Mountainbikes sind längst verschenkt, Pedelecs unterschiedlicher Stärken sorgen dafür, dass wir rund um Neuss und in der Eifel einem unserer liebsten Hobbys nachgehen können, dem Radfahren. Wir nutzen Computer, Smartphones und Tablets, aber keine Fahrradcomputer mit GPS-Navigation wie von Garmin. Dazu sind wir trotz der Tutorials bei YouTube zu alt und sind die Displays für uns zu klein. Die meisten Radwege der Eifel wie der Kyllradweg, der Enzradweg, der Ahrradweg und der Kosmosradweg sind so gut ausgeschildert, dass man keine Karten braucht, wenn man aufmerksam den Wegzeichen folgt. Und „ Augen auf“ heißt es für uns ohnehin, um die Schönheit der Eifelnatur zu geniessen und die Sehenswürdigkeiten am Weg nicht zu verpassen. Sie  liegen aber selten direkt am Radweg, sondern etwas entfernt davon.
Diese Highlights erreicht man häufig nur über verkehrsarme Straßen. Diese Straßen sind nicht selten auch als Radwege gekennzeichnet, auf Radwegkarten vermerkt und werden auch von den Routenplanern ausgewiesen, ganz unabhängig davon, ob sie Googlemaps, Viamichelin oder Komoot nutzen. Sie müssen immer nur das Fahrradsymbol anklicken, Start- und Zielpunkt und Zusatzpunkte eintragen. Dann bekommen Sie die Gesamtlänge der Strecke mit Angaben zu Entfernungskilometern, Zeiten und Höhenmetern angezeigt. Sie können hier selbst Karten erstellen, auch Wegabschnitte über die Zoomfunktion ausdrucken. Sie müssen nur das Drucksymbol anklicken. Den Höhenmeterangaben sollten Sie allerdings nicht zu sehr vertrauen, weil Sie schon bei einem Vergleich  der ausgewiesenen Angaben bemerken, dass diese erheblich voneinander abweichen. Dies liegt an den Messfehlern, die bei der satellitengestützten Vertikalmessung auftreten.
Auch bei Radwegen über Landstraßen und Kreisstraßen sollten Sie skeptisch sein. Vielbefahrene  Bundesstraßen scheiden  ohnehin bei der Tourenplanung aus. Sie zu befahren, ist für Radler viel zu gefährlich. Es empfiehlt sich, auch auf verkehrsarmen  Land- und Kreisstraßen Warnwesten zu tragen, weil sie häufig gar nicht verkehrsarm sind.  Einige PKW- und Motorradfahrer sind zudem vom Raservirus befallen.  Diese Straßen muss man vorher mit dem PKW oder Fahrrad abfahren, um sie empfehlen zu können.

Selbst den von den Routenplanern ausgewiesenen Routen können Sie nicht immer trauen. Wir wollten von Dasburg mit den Rädern nach Welchenhausen über Sevenig und Ouren fahren, nachdem wir die Burgruine in Dasburg besucht hatten. Zum Glück hatten wir die Räder noch auf dem Träger, denn der ausgewiesene Weg war aufgrund von Bauarbeiten gesperrt. Wir haben dann auf der Höhe über Dasburg geparkt. Dort gibt es ein Marterl am linken Straßenrand, eine Sitzbank mit einem kleinen Parkplatz. Über die L 1 bis Sevenig zu radeln, war kein reines Vergnügen, nicht nur weil wir nach Wehrbüsch einen verlockenden geteerten Wirtschaftsweg gefahren sind, tief unten im Dorf ankamen und zur L1 wieder hochstrampeln mussten, sondern auch die von den Planern ausgewiesene Abfahrt ins Ourtal nicht gefunden haben. Wir mussten etliche Leute fragen, bis wir hinter Harspelt einen fahrbaren Weg gefunden haben.
Immerhin gab es hier - anders als auf dem von Komoot vorgeschlagenen Weg - keine Treppen, über die man die schweren Pedelcs hätte tragen müssen. Aber ein Trial- and- Error-Verfahren bei der Routenfindung war es schon bis hierher. Wir ahnten nicht, dass das Finale zu einem Schrecken ohne Ende werden sollte. Das kam so.

Am Europadenkmal hatten wir eine Karte gesehen, nach der wir die Rückfahrt abkürzen konnten, wenn wir über Tintesmühle führen. Gleich nach dem Denkmal biegt schräg gegenüber ein geteerter Weg ab. Auf einem braunen Schild steht, dass es nur 6 Km bis Tintesmühle sind. Leider endete der Teerweg nach etwa 2 km und ging in einen Feld-Wiesenweg über, der sich aber fahren ließ. Dann verjüngte er sich zu einem schmalen Pfad. Wir waren ganz offensichtlich auf dem Wanderweg gelandet, der die Our begleitet. Obwohl schon drei Viertel der Strecke bis Tintesmühle hinter uns lagen, hätten wir spätestens jetzt umkehren müssen. Taten wir aber nicht, auch dann nicht, als der Weg noch schmaler, steiniger und steiler wurde. Immer häufiger lagen kantige Steinbrocken auf ihm, mussten Felsspalten überwunden werden. Wir nahmen unsere Gepäcktaschen vom Rad und versuchten die schweren Räder die Steilstrecken hinaufzuschieben. Die Schiebehilfen am Rad erleichterten dies zwar etwas, aber das Rad machte dafür einen Sprung nach vorn, wenn es einen großen Stein überwunden hatte.

Das Rad meiner Frau fiel hin, sie stürzte und hatte Glück, dass sie nicht den Abhang hinab in die Our purzelte. Meine Frau fragte einen Wanderer in bestem Volkshochschulfranzösisch, wie lange der Weg noch so gefährlich bliebe. Seine Antwort: etwa 500 Meter. Es wurde fast ein Kilometer, den wir, Angstschweiß gebadet, zurücklegen mussten. Erst dann erreichten wir die Flussperlmuschel-Aufzuchtstation bei Kalborn. Dort beginnt eine kleine Teerstraße. Auf ihr ging es bergauf  bis zur Straße, die von der luxemburgischen Seite nach Tintesmühle führt. Es waren etliche Höhenmeter, die wir bis Tintesmühle erst hoch- und dann wieder zur Our hinunter fahren mussten.  Auf  der deutschen Seite der Our ging es die Straße wieder 5 km bergauf bis Dahnen. Mit den Pedelecs waren sie gut zu schaffen. Nach gut 40 km waren wir wieder bei unserem Fahrzeug. Es war wirklich eine Abkürzung gewesen, aber eine lebensgefährliche, absolut nicht empfehlenswerte. Wie lautet das Kölsche Grundgesetz? „Et hätt noch immer jot jejange“. Vertrauen sollte man besser nicht darauf.

Rainer Nahrendorf

Fotogalerie von Rainer Nahrendorf

                
Ourtal                           Die Burg Dasburg           Der Bergfried       Schmuggelgeschichte

                           
Straße nach Ouren         Windrad Haspelt            In der Wartehalle        Frieden statt Ölkrieg

                  
Befreite Kreise               Ourtal                           Erdbohrer mit      Flyer
                                                                        Himmelsbesen 

             
Grenzrosen                   Stammtisch                    Brücke Ouren              Europadenkmal 

             
Missverstandene      Missverstandener          Aufzuchtstation            Aquarium
Karte                      Hinweis                        Kalborn

Links:
https://www.islek.info/
https://www.outdooractive.com/de/route/wanderung/eifel/skulpturenweg-welchenhausen/44515442/
www.kult-our-tal-museum.de
http://www.lessentiel.lu/de/news/grossregion/story/In-der-Eifel-steht-das-kleinste-Museum-der-Welt-31297370
https://www.waz-online.de/Wolfsburg/Stadt-Wolfsburg/Kunsthalle-Das-kleinste-Museum-der-Welt-kommt#:~:text=Das%20kleinste%20Museum%20der%20Welt%20steht%20bald%20in%20Wolfsburg.,%2C%2025.%20Februar%2C%20eingeweiht.

Videos:
https://www.youtube.com/watch?v=FO0nLn88Pz8  7:11
https://www.youtube.com/watch?v=LWOMpL4M6SY 1:09
https://www.youtube.com/watch?v=wZgsTx-4_1o  10:02
https://www.youtube.com/watch?v=EJqk3tGAdns 26:51

News druckenRSS-Feed