zurück 
21.07.2020

Zwei Ostbelgier stellen noch bis zum 2. August beim Schönecker Kunstparcours aus

Schönecken/D. – Amel/B. (boß) Der Kulturkreis Schönecken zeigt in diesem Sommer – wenn auch unter erschwerten Corona-Bedingungen – eine Ausstellungsreihe mit internationaler Besetzung

in drei Gebäuden und Schaufenstern des Burgfleckens. Mit dabei in der Phase 26.06. – 02.08.2020 sind die beiden ostbelgischen Künstler Irene Kohnen und Jacques Thannen.
Während Jacques Thannen seine Arbeiten in der alten Burgkapelle präsentiert, sind die Bilder von Irene Kohnen in der Blauen Galerie zu sehen. Sie widmen sich dem schwierigen Thema „Flüchtlinge“. Beim Gespräch mit der Künstlerin wird deutlich, dass sie es sich mit diesem Komplex nicht leicht gemacht hat. Wie sich Irene Kohnen ja ohnehin mit ihrem jeweiligen Thema sehr intensiv beschäftigt, sich hineindenkt in die Materie und auslotet, worin der Kern in diesem Fall von Flucht und Vertreibung liegt. Sie versteht sich dabei als eine Art Dolmetscher und drückt ihre Erkenntnisse in der Sprache der Bilder sehr intensiv aus. All die Erfahrungen von Verlust, Bedrohung, Gewalt, Angst, Einsamkeit und Ungewissheit zeigen sich da in der Linie einer Schulter, in einer Bewegung oder der Verlorenheit einer kleinen Gestalt, die unterwegs ist in ein schwarzes Nichts, eingetaucht in ein blutrotes Licht.
Dabei erschließen sich jedem Betrachter aus seinem eigenen Hintergrund heraus unterschiedliche Eindrücke. Menschen verharren lange vor den Bildern, vertiefen sich in die meist figurativen Gemälde und Objekte, durch die die Künstlerin sich in ihrer ureigenen Bildersprache mitteilt. „Ich bin froh, dass sich die Leute für meine Arbeiten interessieren und sich Zeit lassen, ihre Botschaft zu erfassen. Das Thema Flüchtlinge geht unter die Haut, wenn man es an sich heranlässt“, so Kohnen. „Diese Menschen, wenn sie auch mit Tausenden unterwegs sind, haben mit einer großen Einsamkeit zu kämpfen. Sie haben ihr Land und ihre Familien verlassen und laufen irgendwohin ins Ungewisse, mit dem Rücken zum Zuschauer. Sie haben kein Gesicht. Die Kinder sind verloren…“
Die Bilder von Irene Kohnen sind kein Appell, und doch fordern sie Solidarität ein. In vergangenen Zyklen hat sie sich mit dem Thema Kind beschäftigt, ein andermal mit Bäumen. Immer auf ihre ganz eigene Art. Dazu gehört, im Vorfeld in ihrem alten Haus von 1830 im Ortsteil Halenfeld der Gemeinde Amel viel zu lesen, nachzudenken und Skizzen zu machen, bis der Prozess reif ist für ein Werk. Dabei braucht sie eine Struktur im Tagwerk. Wie ein Arbeiter hält sie die Stunden ein und geht konsequent morgens ins Atelier. Kunst hat für sie die Aufgabe, Menschen anzusprechen durch Musik, Schrift oder in ihrem Fall mit Bildern. Meist arbeitet die Künstlerin dabei figurativ mit Acryl oder Ölpastellfarben, oft auf Leinwand, im Fall des Themas „Flüchtlinge“ auch kleinformatig auf Karton.
Insgesamt 25 Arbeiten sind in Schönecken in der Blauen Galerie zu sehen.
Irene Kohnen verfügt über ein abgeschlossenes Studium der Malerei in der "Académie des Beaux-Arts" in Verviers/B – übrigens zusammen mit Jacques Thannen, der sich mehr auf den Druck verlegte. Seit 1992 hat Irene Kohnen an Einzel- und Gruppenausstellungen in Belgien, Deutschland und Luxemburg teilgenommen. Eine ihrer letzten Ausstellungen fand im Museum "Zwischen Venn & Schneifel" in St.Vith statt.

Hilde Boßmann - für die belgische Tageszeitung Eupener GrenzEcho

27. Kunstparcours im Kultursommer Rheinland-Pfalz, Motto „Kompass Europa: Nordlichter“
28.6. – 02.08.2020
Hans-Dieter Jung, Irene Kohnen, Bernhard Patzack, Jacques Thannen, Trudy Wiebus
Zu besichtigen sind die Ausstellungen nur nach telefonischer Vereinbarung mit Initiatorin Hilde Dogan unter Tel. 0049 6553 3389 – einschließlich kostenloser Führung.
www.galerie-dogan.de

Foto Hilde Boßmann: Irene Kohnen anlässlich ihres Besuchs bei INPUT-Medien

News druckenRSS-Feed