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09.07.2020

"Bleigutachten" in einer Bürgerversammlung in Mechernich vorgestellt - Bodensanierungen bei Baugebiet und Kindergärten

Mechernich (pp/boß) In einer Bürgerversammlung im Gymnasium Am Turmhof ist am Mittwoch, 08.07.2020, das sogenannte Bleigutachten vorgestellt worden. Dabei handelt es sich um die Ergebnisse der Untersuchungen

auf die Bodenbelastung durch Blei im Raum Mechernich. Die wichtigste und für die Bürger beruhigende Aussage der Gutachter: Eine konkrete Gefahr, in Mechernich zu leben, besteht durch das Bleivorkommen im Boden nicht.
Allerdings ergaben die Bodenuntersuchungen auch, dass es zum Teil hohe Bleibelastungen in einigen Bereichen der drei untersuchten Projekte gibt. Die höchsten Werte wurden im zukünftigen Baugebiet „Auf der Wäsche“ ermittelt, hier liegt der Bleigehalt im Durchschnitt bei rund 9.000 Milligramm Blei pro Kilogramm Erde. Erhöhte Werte gibt es auch im zukünftigen Baugebiet „Auf der Donnermaar“. Hier werden durchschnittlich Werte von etwa 1000 Milligramm pro Kilogramm ermittelt. Als völlig unproblematisch stellen sich die Baugebiete in Kommern-Süd dar. In diesem Bereich wird der Prüfwert von Blei nicht überschritten.
Die Gutachter haben in ihren Ausführungen, die den Schriftstücken zu entnehmen sind, verschiedene Maßnahmen entwickelt, wie mit einer hohen Bleibelastung umgegangen werden kann. Eine Lösung kann beispielsweise der Austausch des Bodens sein oder, wo es möglich ist, ein Auftrag von unbelastetem Boden. Außerdem machten sie Vorschläge, wie die Böden zu nutzen sind, etwa beim Anbau von Gemüse im heimischen Garten. Die Stadt Mechernich hat bereits vor Monaten beschlossen, dass die Erde im stark belasteten Baugebiet „Auf der Wäsche“ abgetragen werden soll.
Ebenfalls wurde das Thema der Kinderspielplätze im Stadtgebiet Mechernich thematisiert. Sanierungsbedarf besteht bei 40 von 63 Spielplätzen. Die Gutachter haben konkrete Vorschläge zur Sanierung der Spielflächen in Ihrem Gutachten unterbreitet, unter anderem etwa durch Bodenaustausch bei gleichzeitigem Einbau einer Trennschicht durch Geotextil.
Die wichtigste Aussage der Gutachter lautet auch hier: Es besteht durch die Nutzung der Spielflächen keine unmittelbare konkrete Gefahr! Wie Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick mitteilte, hat die Sanierung der Spielplätze allerhöchste Priorität. Die tatsächliche Zahl der wegen der gemessenen Bleiwerte sanierungsbedürftigen Spielplätze liegt deutlich unterhalb der 40. Die Stadt Mechernich hat aber beschlossen, dass grundsätzlich alle zu Kindergärten gehörenden belasteten Spielplätze aus Vorsorgegründen saniert werden.
Bereits im September 2019 waren die Ergebnisse der Blutuntersuchungen von 506 Mechernicher Bürgern präsentiert worden. Das Fazit des Prüfungsinstituts damals lautete, dass keine gesundheitlich bedenkliche Bleikonzentration im Blut der Probanden festgestellt werden konnte.
Wie der Kreis Euskirchen unlängst mitgeteilt hat, liegt im Bereich Mechernich-Kall die größte Bleierzlagerstätte Europas. Die Stadt Mechernich ist zwar von den Bleialtlasten direkt betroffen. In der Mitverantwortung für Umwelt- und Gesundheitsfolgen stehen laut Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick aber auch der Bund als Rechtsnachfolger des zuletzt bergbautreibenden staatlichen Konzerns „Preussag“ und als heutiger Eigentümer des Geländes sowie das Land NRW, dessen Bergbaubehörden den damaligen Bergbau und die Schließung des Bergwerks in Mechernich mit den heute bekannten Folgen für die hiesige Bevölkerung als Aufsichtsbehörde mit begleitet haben.
Die Gutachten werden auf der Internetseite der Stadt Mechernich veröffentlicht.

pp/Agentur ProfiPress


Auf dem Podium informierten (v.l.): Achim Blindert und Manfred Poth (Kreis Euskirchen), Moderator Prof. Jens Utermann, Dr. Hans-Peter Schick und Thomas Schiefer (Stadt Mechernich) sowie die Gutachter Monika Machtolf und Dr. Dietmar Barkowski.

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