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17.06.2020

Wiersdorfer „Einsiedelei“ als Stätte der inneren Einkehr – SWR-"Fahr mal hin" am 19. Juni - mit Fotogalerie

Wiersdorf/Löwen (boß) Es war ein reiner Zufall. Am Bitburger Stausee war so viel Betrieb, dass sich die Wanderer entschlossen, durch den Wald hoch über dem Prümtal zu dem romantischen Ort Wiersdorf zu gehen.

Wegweiser und eine Hinweistafel machten sie bereits neugierig. Und dann die Überraschung: Weit weg von jeglicher Bebauung mitten im Wald an einem Steilhang eine echte Einsiedelei. Sie war umgeben von einer Wildblumenwiese. Sollte man hier noch einen Menschen oder gar noch einen Einsiedler in der auf Abstand getrimmten Corona-Zeit treffen, war die spannende Frage? Weit gefehlt.
Eine Kapelle (Baujahr 1923), eine Lourdesgrotte (1927) eine Mariensäule (1929), ein Rotsandsteinquader, ein Kreuzweg mit 14 Stationen (1931) und eine Engelsfigur bilden das schlichte Ensemble in der „einsamen Heimat“. Hier hat von 1906 bis 1945 der fromme Einsiedler Jakob Leisen aus Wiersdorf gelebt.
Er wurde am 5. April 1892 in seiner Heimatgemeinde geboren. Seinem innigsten Wunsch nach wollte der fromme Junge aus dem Prümtal  Ordensmann werden. Dafür war er in das Franziskanerkloster im weit entfernten Löwen in Belgien eingetreten. Doch es sollte anders kommen. Wegen einer Krankheit musste er das Kloster verlassen. Aber er verlor seine Passion nicht aus den Augen.
Als er in der Eifel wieder gesund wurde, fand er durch die Schaffung der Einsiedelei einen Weg, seine Tage fromm und einsam zu verbringen.
Die Geschichte der Einsiedelei begann mit der Errichtung einer Holzhütte im Jahr 1906. Diese wurde dann 1909 durch ein kleines Wohnhaus ersetzt. Treu seinem Klostergedanken wurde dann 1919 eine schlichte Kapelle mit einem imposanten Steinaltar gebaut, die im Jahr 1925 nochmals erweitert wurde. Sie ist der Mutter Gottes geweiht. Eine Ziegenherde leistete Bruder Jakob Gesellschaft.
Wie gesagt, Jakob war ein sehr frommer und freundlicher Mensch. Seine Nahrung war einfach und bestand aus Schwarzbrot, Ziegenmilch, Honig und Erzeugnissen aus seinem Garten. Er verstarb am 25. November 1945 im Alter von 73 Jahren.
Auf Antrag der Gemeinde wurde die Anlage unter Denkmalschutz gestellt und die Kapelle im Laufe der Jahre aufwendig renoviert. Das Wohnhaus ist längst verschwunden.

Auch der Südwestrundfunk widmet sich in der SWR-Fernsehreihe „Fahr mal hin“ der Region und machte natürlich auch einen Abstecher an die Einsiedelei. Dieses und weitere Highlights des Bitburger Landes – der Nengshof in Wißmannsdorf, Kultursommer in Speicher, Geflügelhof Lausberg, Glasmuseum Jakobshof, Hofcafé Messerich und der Hannenhof in Wiersdorf - werden am Freitag, 19. Juni, um 18 Uhr im SWR-Fernsehen vorgestellt.

Heinz-Günter Boßmann

Fotogalerie


Historische Aufnahme: Einsiedler Jakob Leisen mit seinen Ziegen vor seinem Wohnhaus mit Kapelle in den 30er Jahren

            
Ortstafel Wiersdorf       Wegweiser Einsiedelei   Waldweg                     Blühende Natur                                       

         
Kreuzwegstation          Kapelle                                                          Stausee in Biersdorf                      

  
Mariensäule       Engelsfigur im Herbst


 

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