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12.01.2020

Überraschung in der Eifel: Michael Billen wird sich aus dem rheinland-pfälzischen Landtag zurückziehen – mit Fotos und Kommentar

Bitburg/Kaschenbach (boß) Hinter vorgehaltener Hand wurde es schon lange gemunkelt. Jetzt ist es amtlich, da er es selbst auf dem heutigen Neujahrsempfang der CDU Bitburg-Prüm

im Beisein der CDU-Bundesvorsitzenden und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer verkündet hat: Michael Billen (64) aus Kaschenbach in der Südeifel wird sich aus dem rheinland-pfälzischen Landtag zurückziehen. Und das nicht an einem normalen Tag, sondern – seiner Mentalität angepasst - am rheinland-pfälzischen Verfassungstag 18. Mai 2020.
Er hatte bereits vorgesorgt, da er vor kurzem 1. Beigeordneter mit Bezügen des Eifelkreises Bitburg-Prüm geworden ist. Wer ihn kennt, weiß, dass er immer ein politischer Mensch bleiben und neue Aufgaben und Herausforderungen suchen und finden wird.
Während seiner 24-jährigen Zugehörigkeit zum rheinland-pfälzischen Landtag ab dem Jahr 1996 als Nachfolger des Prümer Abgeordneten Hans Tölkes drückte der Eifeler Landwirtschaftsmeister immer nur die Oppositionsbank, obwohl er sich selbst einmal als „ministeriabel“ bezeichnet hatte. Er gehört wohl zu den bekanntesten rheinland-pfälzischen Politkern und wie kaum ein anderer musste er Höhen und Tiefen verarbeiten. Ganz besonders ging ihm die sogenannte „Polizei-Datenaffäre“ wegen Beihilfe zur Verletzung von Dienstgeheimnissen an die Nieren, in die auch seine Tochter – eine Polizistin – verwickelt war. Ferner machte ihm die daraus resultierende „Verbannung“ aus der CDU-Landtagsfraktion sehr zu schaffen.
Aber wie so oft kam er wieder, als er sich nach einem Wahlsieg auf dem Kreisparteitag 2010 in Bitburg gegen die Prümer Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy als Landtagskandidat durchsetzen konnte.
Schrammen erlitt Billens uneingeschränkte Vorherrschaft, als er bei der letzten Landtagswahl im März 2016 erstmals seit Bestehen des Wahlkreises Bitburg-Prüm das Direktmandat an die SPD abgeben musste. Er kam allerdings wieder über die Landesliste ins Mainzer Parlament, wo er Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft und Verkehr ist.
So richtig Fuß fassen konnte der oft als „CDU-Rebell“ bezeichnete Billen allerdings nicht mehr in der Führungsriege seiner Partei in Mainz, sodass sein Rückzug ein Jahr vor der nächsten Landtagswahl mit Spitzenkandidat Christian Baldauf die folgerichtige Entscheidung war. Auch wird der Vollblutpolitiker Mitte des Jahres vom CDU-Kreisvorsitz zurücktreten, um dem Nachwuchs eine Chance zu geben. Als Nachfolger in das Abgeordnetenamt in Mainz wird der CDU-Fraktionsvorsitzende im Bitburger Stadtrat, Michael Ludwig, nachrücken.

Heinz-Günter Boßmann

Impressionen aus dem umfangreichen input-Fotoarchiv "Billen"

             

          

                           

                          

               

          

                    

          

INPUT – Wer austeilt, muss auch einstecken können…

Die philosophische Frage „Wann ist der beste Zeitpunkt für einen Rückzug“ hat Michael Billen wohl  jetzt noch früh genug richtig beantwortet. Wie kaum ein anderer musste er Ausgrenzungen und politische Tiefschläge verarbeiten. Mangelnde Zivilcourage wird man ihm nicht vorwerfen können, auch wenn das eine oder andere Vorgehen taktisch unklug gewesen war. Aber angepasst wollte er aus Prinzip  ja nie sein.
Es war in den letzten Jahrzehnten in seiner politischen Laufbahn – von JU bis Senior - immer wieder zu beobachten, wie er zumindest rein äußerlich alles abschüttelte und wiederkam. Ein wahres „Steh-auf-Männchen“ der Landes- und Kommunalpolitik. Nur wer sich einmal weit weg vom Blitzlichtgewitter mit ihm unterhalten hat weiß, dass auch bei Billen nicht alles in den Kleidern stecken blieb. Vielleicht kann er sich jetzt ausschließlich mit Dingen beschäftigen, die ihm „wirklich“ Spaß machen.

Heinz-Günter Boßmann
 

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