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17.05.2020

Aktualisiert: Michael Billen wird sich am 18. Mai aus dem rheinland-pfälzischen Landtag leise zurückziehen – mit Fotos, Kommentar und CDU-Abschied

Mainz/Bitburg/Kaschenbach (boß) Bald ist es soweit: Für die einen "Gott-sei-Dank", für die anderen "leider". Der "gefürchtete" Abgeordnete Michael Billen (64) aus Kaschenbach in der Südeifel wird sich

aus dem rheinland-pfälzischen Landtag zurückziehen. Und das nicht an einem normalen Tag, sondern – seiner Mentalität angepasst - am rheinland-pfälzischen Verfassungstag 18. Mai 2020.
Er hatte bereits vorgesorgt, da er im vergangenen Jahr 1. Beigeordneter mit Bezügen des Eifelkreises Bitburg-Prüm geworden ist. Wer ihn kennt, weiß, dass er immer ein politischer Mensch bleiben und neue Aufgaben und Herausforderungen suchen und finden wird.
Während seiner 24-jährigen Zugehörigkeit zum rheinland-pfälzischen Landtag ab dem Jahr 1996 als Nachfolger des Prümer Abgeordneten Hans Tölkes drückte der Eifeler Landwirtschaftsmeister immer nur die Oppositionsbank, obwohl er sich selbst einmal als „ministeriabel“ bezeichnet hatte. Er gehört wohl zu den bekanntesten rheinland-pfälzischen Politkern und wie kaum ein anderer musste er Höhen und Tiefen verarbeiten. Ganz besonders ging ihm die sogenannte „Polizei-Datenaffäre“ wegen Beihilfe zur Verletzung von Dienstgeheimnissen an die Nieren, in die auch seine Tochter – eine Polizistin – verwickelt war. Ferner machte ihm die daraus resultierende „Verbannung“ aus der CDU-Landtagsfraktion sehr zu schaffen.
Billen bezeichnete das Ganze immer wieder als "politischen Prozess", räumte aber ein, einen Fehler gemacht zu haben. Dennoch sei es nicht falsch, Unregelmäßigkeiten nachzugehen. 
Aber wie so oft kam er wieder, als er sich nach einem Wahlsieg auf dem Kreisparteitag 2010 in Bitburg gegen die Prümer Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy als Landtagskandidat durchsetzen konnte.
Schrammen erlitt Billens uneingeschränkte Vorherrschaft, als er bei der letzten Landtagswahl im März 2016 erstmals seit Bestehen des Wahlkreises Bitburg-Prüm das Direktmandat an Nico Steinbach von der SPD abgeben musste. Er kam allerdings wieder über die Landesliste ins Mainzer Parlament, wo er Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft und Verkehr ist.
So richtig Fuß fassen konnte der oft als „CDU-Rebell“ bezeichnete Billen allerdings nicht mehr in der Führungsriege seiner Partei in Mainz, sodass sein Rückzug ein Jahr vor der nächsten Landtagswahl mit Spitzenkandidat Christian Baldauf die folgerichtige Entscheidung war. Auch wird der Vollblutpolitiker Mitte des Jahres vom CDU-Kreisvorsitz zurücktreten, um dem Nachwuchs eine Chance zu geben. Als Nachfolger in das Abgeordnetenamt in Mainz wird der CDU-Fraktionsvorsitzende im Bitburger Stadtrat, Michael Ludwig, nachrücken.

Heinz-Günter Boßmann

Impressionen aus dem umfangreichen input-Fotoarchiv "Billen"

         
Fütterung                   Rettungseinsatz           Wahlsieger

          
Unterwegs                     Ja                               Beifall

                           
Bei der Arbeit                Geheime Dokumente Schaukelpferd

                          
Hans Muff kommt          Fachsimpeleien         Schöne Bescherung

         
Glückwunsch                Danke                          Süß-sauer    

              
Mal so, mal so              Blaues Blut                  Dienstwagen

          
Im INPUT-Interview   Zu Besuch                    Beim DRK

INPUT – Wer austeilt, muss auch einstecken können…

Die philosophische Frage „Wann ist der beste Zeitpunkt für einen Rückzug“ hat Michael Billen wohl  jetzt noch früh genug richtig beantwortet. Wie kaum ein anderer musste er Ausgrenzungen und politische Tiefschläge verarbeiten. Mangelnde Zivilcourage wird man ihm nicht vorwerfen können, auch wenn das eine oder andere Vorgehen taktisch unklug gewesen war. Aber angepasst wollte er aus Prinzip  ja nie sein.
Es war in den letzten Jahrzehnten in seiner politischen Laufbahn – von JU bis Senior - immer wieder zu beobachten, wie er zumindest rein äußerlich alles abschüttelte und wiederkam. Ein wahres „Steh-auf-Männchen“ der Landes- und Kommunalpolitik. Nur wer sich einmal weit weg vom Blitzlichtgewitter mit ihm unterhalten hat weiß, dass auch bei Billen nicht alles in den Kleidern stecken blieb. Vielleicht kann er sich jetzt ausschließlich mit Dingen beschäftigen, die ihm „wirklich“ Spaß machen.

Heinz-Günter Boßmann 


Abschied aus Mainz
Christian Baldauf und Martin Brandl verabschieden Michael Billen - „Heute ist es Zeit, Auf Wiedersehen und Danke zu sagen!“

An diesem Montag endet die Abgeordnetenzeit von Michael Billen im rheinland-pfälzischen Landtag. Nach 24 Jahren im Parlament hatte der Landtagsabgeordnete aus der Eifel Anfang des Jahres angekündigt, sich aus der Landespolitik zurückziehen zu wollen.
„Eigenwillig, aber ehrlich zugleich – Michael Billen ist ein Typ, wie man ihn nicht alle Tage trifft – einer, der auch mal mit der Faust auf den Tisch haut, um seinen Standpunkt zu verdeutlichen. Heute verlässt er die ‚Mainzer Bühne‘. Wir wünschen alles Gute und Gesundheit für die Zeit nach der Landespolitik“, so der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Christian Baldauf, und der Parlamentarische Geschäftsführer, Martin Brandl, das Eifler-Urgestein.
„Ganz persönlich und auch im Namen aller Abgeordneten-Kolleginnen und -Kollegen der CDU-Landtagsfraktion, möchten wir Michael Billen verabschieden. Mit seiner ehrlichen Art, der offenen Gesprächssuche und seinem pragmatischen Sachverstand hat der Eifler-Abgeordnete die Arbeit der CDU-Landtagsfraktion mehr als zwei Jahrzehnte lang geprägt. Bei den Themen Landwirtschaft und Umwelt macht Michael Billen keiner etwas vor. Die Eifel ist seine Heimat, für sie hat er sich stets eingesetzt und dies wird er auch zukünftig weiter tun.“ Billen bleibt erster Beigeordneter des Eifelkreises Bitburg-Prüm, will sich verstärkt aber auch seiner Familie widmen.
Baldauf und Brandl nutzen den Abschied, um Billens Nachfolger, Michael Ludwig, als Landtagsabgeordneten zu begrüßen. Ludwig ist CDU-Fraktionsvorsitzender im Bitburger Stadtrat.

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