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12.11.2019

Trainingsprogramm: "Stress erkannt – fast gebannt" - heute Folge 6

Folge 6
Die Bewältigungsstrategien werden in zwei Bereiche eingeteilt: Spontanentspannungen und langfristige Veränderungsmöglichkeiten.
Bekanntlich hat der Tag 24 Stunden. In Reinkultur könnte man ihn - um den notwenigen Belastungsausgleich und die innere Balance zu halten bzw. wiederzufinden - in drei Zeitzonen aufteilen:
- 8 Stunden Arbeit
- 8 Stunden sinnvolle Freizeit und Erholung
- 8 Stunden gesunder Schlaf
Das ist nicht immer so einfach und die permanenten Belastungen - insbesondere bei Alleinerziehenden und mehreren Berufen und Verpflichtungen gleichzeitig - haben oft die Oberhand.
Eines der entscheidenden Zeichen, dass man sich in einer Disbalance oder Überforderung befindet, ist, dass man ohne medikamentöse Hilfe nicht mehr einschläft bzw. durchschlafen kann und aus der Grübelspirale nicht mehr herauskommt. 
In Folge 7 steht dann die Bewegung als Stressbewältigung mit einem anschaulichen Artikel aus dem Buch "Die schönsten Radtouren der Eifel" von Rainer Nahrendorf und Heinz-Günter Boßmann im Mittelpunkt.

Folge 5
Gemäß unserem Trainingsprogramm „Stress erkannt – fast gebannt“ haben wir nun bereits den wohl wichtigsten Bereich bearbeitet. In der Medizin nennt man dies Anamnese.
Denn Stress, die Körperreaktionen und die Bewältigungsstrategien sind
                                                                      ganz individuell.
Diese zu erkennen, ist eine wichtige Voraussetzung für das weitere Vorgehen. Somit kann man hier nicht mit einem „Rezeptblock“ arbeiten.
Zusammenfassend kann man kurz und knapp sagen, dass Stress
                                          die Reaktion auf Reize ist, die wir negativ bewerten.
Also kommt unseren Gedanken – Bewertung – eine wichtige Bedeutung zu. Bewerte ich beispielsweise das Halten einer Rede vor 500 Zuhörern negativ, dann wird die Rede sehr belastend für mich sein, unter Umständen misslingen oder erst gar nicht stattfinden (Verdrängungsmechanismus).
Das kann man auch in anderen Bereichen wie Prüfungen, Übernahme von neuen Aufgaben oder Gesprächen mit Vorgesetzten oft beobachten.
Beim nächsten Mal werden wir mit den Bewältigungsstrategien beginnen.

Folge 4
Nun haben wir unsere Stressoren durch Reflektion und Analyse „dingfest gemacht“ und herausgefunden, wie der Stress auf die vier Reaktionsebenen im menschlichen Organismus einwirkt.
Ein Stressbeispiel: Mich nervt, wenn ich es auf der Fahrt zum nächsten Termin eilig habe, vor mir einer in aller Ruhe mit 30 km/h durch die Landschaft schleicht und ich infolge Gegenverkehrs nicht überholen kann.

Reaktionen:
Gedanklich: Was ist das denn für eine Schlafmütze. Ich würde den am liebsten von der Fahrbahn schieben. Der soll seinen Führerschein abgeben, wenn er nicht richtig fahren kann.
Emotional: Unverständnis – Ärger – Ungeduld – Wut
Vegetativ: Puls und Herz schlägt schneller. Magendruck.
Muskulär: Am ganzen Körper angespannt. Festes Klopfen mit der Faust auf das Lenkrad

Jetzt werde ich auf einer Skala von 0 – 10 die Stärke der jeweiligen Reaktion festlegen,

Zum Beispiel Emotional
Ungeduld 10
Wut 8
Daran würde sich die Schlüsselfrage anschließen: Wie habe ich bisher in ähnlichen Situationen reagiert?
Zum Beispiel:
Hupen
Lautes Schimpfen
Mit der geballten Faust drohen
Gefährliches Überholmanöver

Folge 3:
So, jetzt haben wir eine ganze Liste Stressoren zusammengetragen. Der besseren Übersicht halber kann man sie auch einteilen in privat, beruflich und gesellschaftlich. Ratsam ist natürlich, die Liste ständig zu aktualisieren.
Denn:
1. Es kann aus heiterem Himmel einmal ein Stressor wegfallen. Dann streichen. Zum Beispiel: Mein unliebsamer Nachbar geht ins Altersheim.

2. Ein Stressor kommt neu hinzu. Zum Beispiel: Ich kann die ganze Nacht nicht schlafen, wenn ich morgens bei Glatteis und Schnee mit dem Auto auf meine Arbeit fahren muss.  

3. Ein Stressor verändert sich. Zum Beispiel: Ich habe jetzt nicht nur zwei Kollegen, die meinen Posten haben wollen, sondern plötzlich drei.

4. Ich habe meinen Stressor mit Hilfe meines Bewältigungsmodells ausgeschaltet. Zum Beispiel: Ich verbanne meinen Onkel Otto, der mir so fürchterlich auf den Wecker geht, aus meinem sozialen Umfeld.

Ein Stressor kann sich auf insgesamt vier Ebenen auswirken:
- kognitiv, meine Gedanken werden negativ. Zum Beispiel: Ich werde den schon kaltstellen.
- emotional, Ärger, Wut und Zorn kommen hoch.
- vegetativ, ich habe Magen- und Darmbeschwerden und ab und an Herzrasen
- muskulär, ich bin verspannt und habe starke Kopfschmerzen
Diese Reaktionen ordne ich den jeweiligen Stressoren zu. Es kommt sehr oft vor, dass der Organismus gleichzeitig auf allen vier Ebenen reagiert.

Folge 2:
Gemäß unserem Trainingsprogramm "Stress erkannt - fast gebannt" wollen wir nun unsere ganz persönliche Stressanalyse durchführen. Wir gehen dann der Frage nach: Was belastet, nervt, stresst mich? Die Begriffe sind je nach Sprachgebrauch gleichzusetzen.
Das Ergebnis schreiben wir dann so genau wie möglich auf ein weißes Blatt.
Im Bedarfsfalle können wir natürlich auch unsere Partner, Kinder und Freunde vertrauensvoll fragen, denn die wissen das aus jahrelanger Beobachtung meist genau.
Zum Beispiel:
- Mich nervt, wenn ich es morgens eilig habe und andauernd ist die Badezimmertür verschlossen, so dass ich mich nicht fertig machen kann.
- Mich regt auf, wenn mein Nachbar am Samstag im Radio auf seinem Balkon die Bundesligaspiele hört und mit schreit, obwohl ich mit Fußball nichts am Hut habe.
- Mich stresst, wenn Mitbürger lauthals private Gespräche in der Öffentlichkeit auf Handy führen.
- Mich belastet, wenn mein Arbeitskollege mich laufend betätschelt und sexistische Sprüche klopft.
- Mich stört mein chronischer Tinnitus und die Dauerschmerzen im Knie.
Dieser Bewusstmachungsprozess sollte schon einige Tage in Anspruch nehmen und kann auch eine Reflektion auslösen, was ich zukünftig reduzieren, vermeiden oder verhindern beziehungsweise wie ich damit umgehen kann.
Beispielsweise kann ich zukünftig als erster aufstehen, so dass ich das Badezimmer für mich habe, oder dass ich mich während der Fußballreportage einfach hinter meine vier Wände zurückziehe.
Der Rekordhalter in meinen Seminaren hatte über 100 Stressoren zusammengetragen; ihn störte einfach alles.


Folge 1:
Der Stressmechanismus ist in uns seit dem Urzeitmenschen genetisch verankert. Er ist wichtig, denn er dient dem Überleben, damit wir bei unseren Belastungen und Anforderungen bestehen können. Wichtig dabei ist allerdings, dass wir die Stressdosis und die Dauer des Reizes beobachten und nicht über unsere persönliche Belastungsgrenze hinausschießen.
Denn Stress – und demnach auch seine Bewältigung - ist individuell. Was für den einen Stress ist, kann für den anderen ein positives Erlebnis sein.
Am allerwichtigsten beim professionellen Stressmanagement ist zunächst, seinen persönlichen Stress zu erkennen. Wie das geht, besprechen wir das nächste Mal. Denn nur, wer seinen Stress erkennt, kann dagegen angehen bzw. ihn vermeiden oder reduzieren. Denn unbewältigter Stress macht auf die Dauer organisch und seelisch krank. 

Ankündigung:
Ab Oktober beginnt auf besonderen Leserwunsch bei input aktuell (Rubriken Aktuelles und Gesundheit & Wissen) die neue Praxis-Serie "Stress erkannt - fast gebannt". Es geht zunächst los mit den Grundlagen der Stressbewältigung. Was ist überhaupt belastender Stress und wie erkennt man ihn?
Die Weltgesundheitsorganisation nennt Stress "die Pest des 21. Jahrhunderts".

Der Autor:
Heinz-Günter Boßmann wurde 1987 vom Max-Planck-Institut der Uni München, Prof. Brengelmann, als Verhaltenstrainer in einem aufwändigen Assessmentverfahren ausgewählt und danach ausgebildet.
Seit Ende 1988 arbeitete er für die verschiedensten Organisationen als Seminarleiter und Coach in der Stress- und Konfliktbewältigung, Kommunikation, Rhetorik und im Gesundheitsmanagement.
In den folgenden Jahren absolvierte Heinz-Günter Boßmann viele fachbezogene Fortbildungen, unter anderem auch in der Naturheilkunde und im Journalismus.

 

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