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03.12.2018

2.000 lebende Glasaale als Schmuggelware sichergestellt

Frankfurt/Heidenheim (red/boß) Eine außergewöhnliche Beschlagnahme haben Zollbeamte am Frankfurter Flughafen gemacht. In dem Koffer einer malaysischen Reisenden, die auf dem Weg nach Vietnam war,

entdeckten sie am 28.11.2018 etwa 2.000 lebende Glasaale. Nachdem diese zwischenzeitlich artgerecht untergebracht sind, sollen sie am Dienstag, 04.12.2018, in den Rhein, ihrem natürlichen Lebensraum, ausgesetzt werden.
Die Überprüfung des Koffers der 47-jährigen Frau wurde im Rahmen der Luftsicherheitskontrolle durch die Fraport-Security durchgeführt. Dabei entdeckten die Mitarbeiter im Koffer zwei Styroporboxen mit insgesamt acht mit Wasser gefüllten Kunststofftüten, in denen sich die Glasaale befanden. Die daraufhin hinzugezogenen Zollbeamten identifizierten die Glasaale (Anguilla anguilla) als eine Art, die nach Anhang B der VO (EG) 388/97 und Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens geschützt ist. Für diese gewerbliche Ausfuhr hätte eine Ausfuhrgenehmigung vorliegen müssen. Dies war nicht der Fall. Eine ungenehmigte gewerbliche Ausfuhr stellt eine Straftat nach dem Bundesnaturschutzgesetz dar. Woher die Glasaale stammen, ist unbekannt. Vermutlich wurden sie in Südwesteuropa (Frankreich, Portugal, Spanien) in Flussmündungen gefangen. Weil sie in Asien als Delikatesse gelten und man ihnen auch potenzsteigernde Wirkung nachsagt, werden sie dort mit hohen Gewinnmargen, ähnlich denen des Drogenhandels, gehandelt. t mit hohen Gewinnmargen, ähnlich denen des Drogenhandels, gehandelt.
"Die Besitzerin des Koffers braucht, zumindest gegenwärtig, nicht mit einer Bestrafung zu rechnen. Zum Zeitpunkt der Kontrollmaßnahmen und Feststellungen saß sie bereits im Flieger nach Vietnam und der hatte bereits abgehoben", sagt Hans-Jürgen Schmidt, Sprecher des Zollfahndungsamts.
Seitens des rheinland-pfälzischen Landesamtes für Umwelt freut man sich sehr über die erfolgreiche Sicherstellung durch den Zoll sowie die Zusammenarbeit mit der rheinland-pfälzischen Umweltbehörde. Präsident Dr. Stefan Hill sieht darin ein gutes Beispiel, wie durch schnelle und unbürokratische Lösungen aktiver Artenschutz betrieben werden kann: "Durch die erfolgreiche Sicherstellung der illegal ausgeführten Glasaale und die unverzügliche artgerechte Unterbringung seitens des Zollfahndungsamtes, können wir nun eine große Anzahl von Jungaalen in unseren heimischen Gewässern ansiedeln. Diese können ein Leben in Freiheit führen und einen Beitrag zum weiteren Anwachsen der Population der Aale im Rhein leisten."
Information für Medienvertreter
Am Dienstag, 04.12.2018, 12 Uhr, werden die Jungaale in den Rhein ausgesetzt. Das Aussetzen von geschmuggelten Glasaalen in ihr natürliches Element ist bisher beispiellos in Deutschland.

Zusatzinformationen
Als Glasaal bezeichnet man das Jugendstadium der Aale, weil er in diesem Stadium noch durchscheinend ist. Glasaale kommen mit dem Golfstrom um die Jahreswende an die europäischen Küsten und ziehen über die Unterläufe der Flüsse zu den Lebensräumen im Süßwasser. Die Population in den heimischen Gewässern ist seit ca. 1980 stark rückläufig. An den europäischen Küsten kommen nur ca. 1 - 2 % der Glasaale im Vergleich zu dem Zeitraum vor 1980 an. Wenn davon die Hälfte in den Export ginge, wie vor der EU-Aalverordnung 2007, würde das den Zusammenbruch der europäischen Aalpopulation bedeuten. Das Land Rheinland-Pfalz unterhält mit der Fa. Innogy seit 1995 eine Aalschutz-Initiative, die sich insbesondere um das sichere Abwandern der erwachsenen Blankaale (laichbereite Aale) aus Saar und Mosel kümmert. Es werden jedes Jahr ca. 6 Tonnen Blankaale vor dem Eindringen in die Wasserkraftturbinen in Mosel und Saar abgefangen, um sie wohlbehalten in den Rhein auszusetzen. Im deutschen Fischhandel wird ein Kilogramm Glasaale etwa mit 400 Euro gehandelt, auf Fischbörsen in Asien werden dagegen Beträge zwischen 3.000 und 5.000 Tausend Euro erzielt.

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